Archiv der Kategorie: Mama erzählt

Meine Corona-Best-of-Liste

Diese und mehr von den tollen Zeichnungen von Kura findet ihr auf Kura zeichnet.  Oder auch hier.

Nicht nur die Farben in der Corona-Ampel wurden dunkler, sondern auch die Tage draußen. Der November-Blues begleitet uns musika­lisch durch die zweite Pandemie-Welle. Kommt euch das Ganze auch manchmal wie ein schlechter Witz vor? Eigentlich gibt es wirklich nichts zu lachen – wenn ihr mich fragt, die beste Zeit für eine Satire.

Deswegen heute meine persön­lichen 5 Corona-Best-ofs:

1. Hamsterkäufe. Vielleicht das Lustigste an unserem Umgang mit der Pandemie. Nur wenige Menschen stehen dazu. Eigentlich kauft fast niemand fast nichts auf Vorrat. Allerdings fegt das Wörtchen „fast“ ganze Regale leer. Mit jeder Klopapierrolle steigt unser Sicherheitsgefühl, jede zusätz­liche Packung Nudeln im Schrank macht uns weniger verwundbar. Die mit den besonders schwachen Nerven haben im März vorsichts­halber ein Vorrat an Mineralwasser angelegt, dass sich in den Sommermonaten als sehr praktisch erwiesen hat und im Dezember gut als Unterlage für den Weihnachtsbaum dienen kann. Hamstern stellt die Lernfähigkeit unserer Gesellschaft in Frage. Wir haben zwar bemerkt, dass die leeren Regale bei der ersten Welle nicht an den Engpässen lagen, sondern am Horten. Niemand musste den Allerwertesten mit dem Laub abputzen. Kaum wird die zweite Welle in den Medien ausge­rufen, stehen die Klopapierregale wieder leer.

2. Die Alltagsmaske. Ja, mittler­weile doch die ALLTAGS-Maske. Nach einem langen und konflikt­reichen Prozess wurde der Mund-Nasen-Schutz mittler­weile zum Alltagsgegenstand gekürt. Für mich ist die Maske in doppeltem Sinne gesund­heits­för­dernd. Nicht nur sorgt sie dafür, dass weniger Viren und Bakterien im Umlauf sind. Mich persönlich regt sie auch zu mehr Bewegung an. Stehe ich vor dem Laden, stelle ich fest, dass ich sie zuhause habe liegen lassen und muss den kompletten Weg erneut zurück legen. Habe ich fast schon das 4. Stock erklommen, fällt mir ein, dass die Maske immer noch im Auto liegt. Seit die Maskenpflicht gilt, hat sich meine tägliche Schrittzahl verviel­facht. Ich sehe das als eine gute Vorsorgemaßnahme.

3. Panik. Wir sind alle mündige Bürger: infor­miert, Verstand getrieben, logisch denkend. Wir wissen, es besteht momentan kein Grund zur Panik. Es sei denn, jemand niest in der Schlange an der Supermarktkasse. DANN NICHT! ES KÖNNTE SICH UM EINEN SUPERSPREADER HANDELN!!! Ein Superspreader ist sozusagen der Superman, nur im Dienste der SARS-Viren. Mit einem bloßen Nieser an der Supermarktkasse kann er oder sie, trotz der Maske, nicht nur alle Menschen im Supermarkt, sondern sogar alle Mitarbeiter der Liefer UND der Produktionskette anstecken! Gegenüber den Niesern und Nieserinnen muss man eine klare Stellung beziehen und sie zumindest mit Blicken aufs Schärfste verur­teilen.

4. Auch wenn wissen­schaft­liche Nachweise dafür ausbleiben, sind Kinder gefühlt alle Superspreader. Sie taumeln sich in ihren Schulen und Kitas, schreien, singen, fassen sich an und tauschen Radiergummis und Stifte. Wie lange kann SO etwas noch gut gehen?! Klar müssen Kinder von der Gesellschaft irgendwie geduldet werden ABER NICHT WENN SIE NIESEN!!!

5. Videokonferenzen. Das mit der Vereinsamung mag für manche stimmen. Bei mir war das eher so, dass ich seit meiner Uni-Zeit nie so viele Menschen getroffen habe, wie im Lockdown. Selbstverständlich online. Sobald man in den eigenen vier Wänden einge­schlossen wurde, wollten sich alle UNBEDINGT wieder treffen. Bekannte, die seit Monaten für ein reales Treffen keine Zeit gefunden haben, weil sie abends auf der Couch einschliefen, haben mich plötzlich angeskypt. Leute, die ich seit 14 Jahren nicht mehr gesehen habe, wollten alle zoomen. Die GESAMMTE Familie, auch die entfern­testen Cousinen und Cousins, ja sowieso: („Und bei euch? Wie sind die Infektionszahlen bei euch so?“). Plötzlich war wieder Highlife bei mir im Wohnzimmer! Leider ist mein Versuch fehlge­schlagen, mit den restlichen Familienmitgliedern per Zoom zu kommu­ni­zieren – zum Beispiel aus dem Schlafzimmer. „Mama, da klebt was an meinem Fuß. Ich glaube es ist ein Stückchen verschim­melter Banane!“, „Oh, tut mir leid Schatz, die Internetverbindung ist leider instabil! Ich werde grad rausge­worfen! Tschüß!!!“.

In diesem Sinne, lasst uns unser Alltagslächeln nicht verlieren – auch unter der Alltagsmaske wirkt es wahre Wunder!

Das Schwarze Loch – 20 Jahre nach dem Physikunterricht

Energie geht nie verloren, heißt es in der Physik… In was, frage ich mich dann, wurde die Energie umgewandelt, die unsere Physiklehrerin darauf verwendet hat, uns die Gesetze ihres Fachs in die Köpfe rein zu hämmern? Was passiert mit der Energie, die die Lehrer in die Wissensvermittlung reinstecken? Und was bleibt hängen, so nach 20 Jahren?

Woran sich die Illustratorin nach 20 Jahren erinnern kann…
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Unsere Physiklehrerin sah wie Kopernikus in blond aus und war eine eher stille Person. Vielleicht lag das daran, dass sie eine piepsige Stimme hatte, die es ihr im Studium mit Sicherheit nicht leicht gemacht haben muss. Hatte sie keinen Grund zum Reden, hat sie gerne geschwiegen. Wir, die Schüler, haben uns auch nicht darum gerissen, eine Antwort auf ihre Fragen zu geben. Es herrschte Stille in unserem Physikraum…

Der Raum an sich war furcht­ein­flößend: an den Wänden hingen Poster mit Bildern und Formeln, bei denen wir alle eine Vermutung hatten, dass wir sie eigentlich verstehen sollten. Um unange­nehme Fragen nicht zu provo­zieren, haben wir versucht, die Poster möglichst nicht anzuschauen. Es gab ein paar Exponate, haupt­sächlich aus Metall, dessen Zweck sich uns auf Anhieb nicht erschlossen hat. Anfassen durfte man sie nicht.

Generell war unser Physikraum umhüllt von einer Aura der Abstraktheit. Imaginäre Kräfte wirkten sich auf imaginäre Objekte aus. Widerstand wurde nicht geleistet, sondern berechnet und der Strom versteckte sich hinter trockenen Formeln und in der Steckdose. Die Tafel war unser Experimentierfeld.

Was die Inhalte angeht, kann ich mich auch nach 20 Jahren an zwei Sachen noch ganz genau erinnern:

Erstens: E = mc²

Zweitens: Es war und ist mir vollkommen Wurscht, wo sich diese zwei verdammten Züge treffen, von denen der eine vom Punkt A mit Geschwindigkeit X km/h losfährt und der andere vom Punkt B mit der Geschwindigkeit Y km/h! Was mich beschäftigt hat, war schon immer die Frage, wer sitzt denn in diesen Zügen und warum? Wo fahren die Personen hin und was ist ihre Geschichte?

Ich kann mich erinnern, dass mich diese Fragen bei der Klassenarbeit nicht sehr weit gebracht haben — zur großen Verzweiflung von meinem Vater (einem Physiker), der mir die Aufgabenstellung abermals erklärt hat. Es tut mir sehr leid um die ganze Energie, die dabei im Universum verschwand…

Nach der Aufgabe mit zwei Zügen gefragt, antwortete mein Mann unbeein­druckt: „Die war leicht“. Scheinbar kam die Energie, die bei mir entwichen ist, bei ihm mit doppelter Stärke an, denn er kann sich noch an recht viele Inhalte aus seinem Physik-Unterricht erinnern. Was ihm am besten in Erinnerung geblieben ist? Einmal musste er in seinem Physik-Leistungskurs Raketen basteln. Die Flugbahn sollte berechnet werden und auch wie viel Treibstoff die Rakete auf ihrem Flug zum Mond verbrauchen würde. Anschließend wurden die Raketen auf dem Schulhof abgefeuert. „Naja, zum Mond haben wir es nicht geschafft aber bis zu den Mädels, die auf dem Hof Sportunterricht hatten, hat es gereicht, hehe…“, erzählte er mit einem verschmitzten Grinsen.

Und wie sieht das bei euch aus? Wenn ihr an euren Physikunterricht zurück­denkt: lächelt ihr da oder krampft der Bauch?

Nicht WO sondern WARUM? Die und mehr von den tollen Zeichnungen von Kura findet ihr auf Kura zeichnet.  Oder auch hier.

Das Thema entstand im Gespräch mit Agnieszka Spizewska, Gründerin des Vereins Little Lab — Wissenschaft für Kinder e.V. , der sich dafür einsetzt, dass auch nach 20 Jahren die Begeisterung für Naturwissenschaften, Informatik und Mathe erhalten bleibt.

Zu viel Geld – was tun?!

Ein Ratgeber, den ich neulich gelesen habe, hat behauptet, man soll ja nicht sagen, man ist arm, denn dann ist man das auch und wenn man einmal arm ist, dann bleibt man statis­tisch gesehen auch meistens arm – ein Leben lang. Man könne statt­dessen sagen, man ist vorüber­gehend pleite.  Oder man sagt gleich, man ist reich.

„Wir sind reich, Tiger, denn wir haben alles was wir brauchen“, möchte ich hier nach Janosch zitieren.

Unsere Familie ist reich, denn wir haben alles was wir brauchen. Wir sind auch nicht vorüber­gehend pleite. Dennoch bräuchten wir jetzt, sowie alle anderen Familien mit einem Kind mit Angelman Syndrom, eure Unterstützung:

In der letzten Zeit hat die Forschung enorme Fortschritte gemacht – das gibt uns die Hoffnung, dass das Angelman Syndrom, von dem auch unsere Tochter Hela betroffen ist, die erste geistige Behinderung sein wird, dessen Ursache behoben wird! Stellt euch vor, wir könnten dann vielleicht nachts schlafen! Vielleicht könnten wir mit unserer Tochter reden — sie könnte uns erzählen, dass ihr der Zahn weh tut und sie der neue Junge im Kindergarten ärgert! Vielleicht würde sich ihre Motorik so weit verbessern, dass sie aus einem normalen Becher und ganz normal mit Besteck selbst essen könnte, ohne dass wir es jahrelang mühsam üben müssten. Vielleicht müsste sie nicht mehr unter epilep­ti­schen Anfällen leiden. Vielleicht würde sie vergessen, wie es ist, immer wieder mit Blaulicht ins Krankenhaus zu fahren. Und vielleicht würde auch ihr Bruder nie wieder Sätze im Auto sagen müssen, wie: “Ach ja, den Weg kenne ich, den sind wir gefahren, als Hela im Krankenhaus war, weil sie nicht atmen konnte…” Jeder Punkt von dieser Liste — ein Wunder, von dem wir kaum wagen zu träumen! Ein Wunder, der aber mit jedem gespen­deten Euro wahrschein­licher wird! Auch Jürgen Vogel hat dazu ein paar Worte:

https://wachgekuesst.force.com/s/

Mehr Infos, sowie die Möglichkeit die Wachgeküsst-Kampagne zu unterstützen findet ihr hier.

Vielen Dank!!!

Elternbeirat — wie vermeide ich es, gewählt zu werden?

Diese und mehr von solchen tollen Zeichnungen findet ihr auf Kura zeichnet.  Auch zu finden hier.

Ich weiß nicht, wie das bei euch in der Schule war, aber ich bin mit Frontalunterricht groß geworden. Im Frontalunterricht ist nur eine Person durch­gehend anwesend – der Lehrer/die Lehrerin. Die 20 – 30 Schüler sind hingegen nur phasen­weise da. Das heißt, faktisch dürfen sie den Raum nicht verlassen. Nachdem sie das Klassenzimmer betreten haben, wird deren Anwesenheit im Klassenbuch proto­kol­liert, was danach mit ihnen passiert ist pure Magie. Denn hält die Lehrkraft gerade einen Vortrag, betonen die Schüler ihr reges Interesse am Thema durch den passenden Gesichtsausdruck und die entspre­chende Körperhaltung. Sie sind voll und ganz da!

Wird hingegen eine Frage in den Raum geworfen, verschwinden plötzlich die meisten. Bei uns in der Schule gab es nicht viele Möglichkeiten, sich gut zu tarnen: Man war ja an die Bank gebunden. Doch, die paar Strategien, die man hatte, wurden jahrelang immer weiter perfek­tio­niert.

Wer möchte den eigenen Aufsatz vorlesen?“, gleich fiel hier und da ein Bleistift oder ein Anspitzer herunter und musste unter der Bank gesucht werden. „Wer weiß, wie die Formel XY lautet?“, da lief wieder hier und da die Nase und musste diskret geputzt werden (die kulti­vierten Schüler drehten sich dazu von der Lehrkraft weg, um ihr den ekelhaften Anblick zu ersparen). „Was hat uns das lyrische Ich in dem Gedicht XY zu sagen?“, da wurden noch die letzten Worte des aktuellen Vortrags mit großem Eifer ins Heft notiert. „Wer möchte freiwillig…?“, bei dem Punkt sind alle Schüler/innen einfach implo­diert – sie waren da aber nach innen gekehrt und so gut wie unsichtbar.

Das wichtigste Prinzip der Schulcamouflage lautete dabei: sogar der kürzeste Blickkontakt mit der Lehrkraft kann in einer Katastrophe enden. Der Blickkontakt mit der Person vorne muss dringend vermieden werden!

Diese Taktiken wurden von Millionen von Schülern erprobt. Die meisten Schüler von meinem Jahrgang sind schon längst Eltern geworden, die Vorgehensweise bei der Schulcamouflage ist gleich geblieben und wird weiterhin in der Schulbank fließig parkti­ziert…

In diesem Sinne seid ihr auf die nächste Wahl zum Elternbeirat bestens vorbe­reitet! Viel Spaß bei dem bevor­ste­henden Elternabend.

Da ich persönlich schwache Nerven habe und die Spannung nach der Frage, wer sich denn bitte melden möge, nicht ertrage, habe ich beschlossen, mich dieses Jahr freiwillig zu melden.

Unser Artikel im Momo Magazin

Ich und Hela präsen­tieren euch voller Stolz unseren Text, der in der aktuellen Ausgabe vom Momo Magazin erschienen ist. Es geht darin um die verblüf­fenden Parallelen zwischen Hela und Albert Einstein (Seiten 14–17, wobei ihr auch auf anderen Seiten ihr viel Lesenswertes findet!).

Viel Spaß bei der Lektüre!

https://www.momo-magazin.de/wp-content/uploads/2020/03/2020_03-www.pdf

Meer aus Plastik – eine simple DIY- Idee für jedermann / jederfrau

Alle Zeichnungen von Miriola Dzik, mehr davon findet ihr unter Kura zeichnet

Basteln – wir lieben es! Es fördert alles, sogar schon bei den Kleinsten und zum Schluss hat man noch etwas Bleibendes in der Hand, womit man das Regal im Wohnzimmer schmücken kann. Nette Kleinigkeiten wie ein eigen­händig aus Ton angefer­tigter Eierbecher oder eine bunt bemalte Holzgrillzange sind ein Traum aller Eltern. Aber heute ließen mich meine Kinder ausnahms­weise schlafen, heute ist mein Tag, ein Tag an dem ich Berge versetzen kann und deswegen fest daran glaube, dass ausnahmslos JEDE Familie in puncto Basteln mehr kann!

Bitte keine Ausreden wie: „Ich würde sooo gerne mit meinen Kids basteln aber wann denn? Einfach keine Zeit!“. Diese Bastelanleitung macht der ganzen Familie Spaß, spart jede Menge Zeit und schont die strapa­zierten Nerven, weil man sich auf einmal mit belang­losen Kleinigkeiten nicht mehr beschäf­tigen muss!

In diesem Beitrag zeige ich euch, wie man in vielen idioten­si­cheren Schritten ein Meer aus Plastik mühelos basteln kann.

Warum

Jeden Sommer wieder­holen viele Familien ein altbe­kanntes Ritual: sie fahren ans Meer, damit die Eltern am Strand die Hautfarbe vorüber­gehend ändern können, während der Nachwuchs Sandburgen baut und im Wasser planscht. Das haben Familien seit Jahrzehnten so gemacht. Nur heutzutage wollen wir für unsere Kinder mehr. Mehr Herausforderung und mehr Input — damit sie sich schneller und besser entwi­ckeln können und damit sie noch glück­licher werden, als wir es je zuvor waren. Sand und Wasser sind da womöglich nicht mehr das optimale Material, um die Sinne und die frühkind­liche Motorik zu fördern. Plastik ist die Antwort! Sand mit beigemischten kleinen Plastikschnipseln bietet viel mehr haptische Sinnesreize und lässt die Kleinsten den Pinzettengriff perfek­tio­nieren, um nur einen Vorteil zu nennen. Wellen, die nicht nur Wasser anspülen, sondern auch schim­mernde Plastikteile, hören sich nicht nur inter­es­santer an, sondern fühlen sich spannender an und hinter­lassen auch etwas zum Sammeln am Strand – die Muscheln werden ja immer weniger. In diesem Sinne lasst uns anfangen!

Was wir brauchen

Plastik in jeder erdenk­lichen Form, gerne Mikroplastik, das in vielen Kosmetikprodukten auch aus dem Baby-Regal enthalten ist. Verpackung, Plastiktüten, Spielzeug aus Plastik, Einweggeschirr – es ist egal, was ihr nehmt, Hauptsache ihr nehmt viel davon. Oder auch nur wenig aber dafür regel­mäßig.

Anleitung

Es gibt keine konkreten Schritte, die ihr befolgen müsst. Jede Familie  ist frei, ihren eigenen Weg zu finden. Das Beste an meiner Bastelanleitung ist, egal wie ihr es macht – es wird sowieso funktio­nieren. Auch wenn wir alles wie bisher machen, wird in einigen Jahren mehr Plastik als Wasser in unseren Meeren zu finden sein. Allerdings, wenn wir uns nur ein bisschen mehr Mühe geben, wird das viel schneller der Fall sein und wir werden alle den magischen Moment erleben, an dem unsere kleinen Engel an der Ostsee ein Bad in der Luftpolsterfolie und Plastiktüten nehmen können. Man wird dann nicht mehr so viel zum Strand schleppen müssen, denn die meisten Sachen, wie Plastikbesteck oder Plastikspielzeug werden sowieso laufend von den Wellen angespült werden.

Hier einige Vorschläge, was wir alle machen können, damit es schneller geht:

  • Wir machen alles wie bisher, keine depri­mie­renden Gedanken an die Umwelt mehr. „Einfach machen“ ist unser Motto!
  • Beim Einkaufen entscheiden wir uns immer für Produkte aus Plastik oder, wenn nicht anders möglich (z.B. beim Fleisch, Obst oder Gemüse), für Sachen, die in Plastik verpackt sind.
  • Wir schleppen nie wieder Einkaufstüten ZUM Supermarkt! Man trägt ja schließlich auch kein Holz in den Wald. Wir kaufen immer wieder Plastiktüten an der Kasse oder nehmen einfach ganz viele von den kosten­losen Beuteln für Obst und Gemüse und entsorgen sie sofort nach dem Einkauf. Kratzende Jutebeutel – ADE! Heutzutage will man Platz sparen und sich möglichst schnell von unnötigen Sachen trennen.
  • Nie wieder Leitungswasser! In Plastik einge­schweißte 6‑Packs von Plastikflaschen sind immer die bessere Wahl.
  • Beim Spielzeugkauf bevor­zugen wir die Fernost-Ware, die oft schnell kaputt geht. Hervorragend geeignet hierfür ist zum Beispiel das Spielzeug, das den bunten Kinderzeitschriften beilgelegt wird oder die Kleinigkeiten aus den Schokoladeneiern. Die Sachen haben meistens bereits nach dem Auspacken ausge­dient, man kann sie also relativ schnell entsorgen, ohne dass es großartig auf die Tasche fällt.
  • Jeden Morgen Kaffee to go, immer schön inklusive Plastikdeckel und Plastiklöffel. Wer nicht so viel Geld ausgeben will, kauft zumindest einmal im Monat ein Getränk zum Mitnehmen, denn bei mehreren Millionen kaffe­trin­kender Bürgern in Deutschland kommt so auch bei geringer Frequenz eine beacht­liche Menge Plastikmüll zusammen.

Ich könnte hier noch viele weitere Vorschläge häufen aber die Sache ist, ihr kennt sie ja alle sowieso! Also anstatt hier unsere kostbare Zeit mit der Leserei zu vertrödeln, krempeln wir die Ärmel hoch und packen die Sache an, bezie­hungs­weise die Sachen aus.

Plastik – zack – und weg!

Kaffee To Go

Die Familienachterbahn

Der perfekte Morgen: die Tochter hat ausnahms­weise mal durch­ge­schlafen, beide Kinder sind gut drauf, es ist Sonntag also braucht man sich nicht zu beeilen. Wir liegen noch alle im Familienbett. Die Stimmung ist ausge­lassen. Unser Sohn steht auf einmal auf und kommt zurück mit einem Tablett auf dem passende Getränke für alle Anwesenden stehen – inklusive Nuckelflasche und Lätzchen für seine Schwester. Mama fängt an davon zu schwärmen, wie toll das ist…

Emil, sichtbar zufrieden, schenkt Mama einen langen James-Bond-Blick und sagt: ‘Ich könnte damit auch noch jonglieren…‘

Es gibt Momente im Familienalltag, in denen die Stimmung innerhalb einer Sekunde um 180 Grad umschlagen kann – ich nenne sie die Familienachterbahnmomente.

Fasching — nicht mein Ding!

Auch 2019 hat sich diesbe­züglich nichts geändert… Am Mittwoch ist der Kindergarten-Fasching, passend dazu liegt der Sohnemann seit Freitag mit grippigem Fieber im Bett… Helau!

Ein Rückblick über 3 Jahre von Faschingsmisserfolgen

Bevor die Kinder zur Welt gekommen sind, war Karneval eine Option. Ich konnte daran teilnehmen oder auch nicht. Meistens blieb es bei „oder auch nicht“. Seit unser Älterer seine Krippenlaufbahn angetreten ist, gehört Fasching zur Kategorie „Pflichtveranstaltung der beson­deren Art“. Jedes Jahr scheitere ich aufs Neue in puncto Faschingsvorbereitung mehr oder weniger spekta­kulär. Meistens bleibt es bei „mehr“.

Was bei anderen Eltern so ganz mühelos aussieht (lachende Kinder verkleidet als süße Bienchen, kecke Piraten oder perfekt ausge­stattete Feuerwehrmänner UND der leckerste und schönste Kuchen aller Zeiten für den Kita-Fasching gebacken) stellt meine Nerven alljährlich auf eine harte Probe. Bin ich der einzige Fasching-Loser auf diesem Planeten? Vielleicht findet sich unter den LeserInnen noch jemand, der/dem es ähnlich geht… Um mir und vielleicht auch noch anderen Verzweifelten Trost zu spenden, fasse ich hier die Geschichten der letzten 3 Jahren der Karnevalsmissgeschicke zusammen. Habt ihr ähnliche Erfahrungen, nur her damit!

 2016

Der erste Kita-Fasching, den wir als Eltern erleben durften, fand kurz nachdem wir von der Behinderung unserer Tochter erfahren haben, statt. Es war uns nicht nach Karneval zumute. Trotzdem wollte ich nicht, dass unser Sohn als das einzige unver­kleidete Kind in der Krippe aufkreuzt. Nach mehreren Tagen diverser Untersuchungen im Krankenhaus und einigen Tagen der Schockstarre blieb leider nicht mehr viel Zeit übrig, um ein tolles Kostüm zu organi­sieren. Alle Kostüme, die in unserer Gegend erhältlich waren, waren zu groß. Oder auch sündhaft teuer. Zu teuer, wie ich fand, um ein zweijäh­riges Kind für 4 Stunden da rein zu zwängen. Es blieb nichts anderes übrig als zu impro­vi­sieren. In einem Laden des eher günsti­geren Preissegments entschied ich mich für eine Kopfbedeckung, die wie das Cookie-Monster von der Sesam Straße aussah. Dazu wollte ich das Kind farblich passend anziehen und im Gesicht bemalen. Ich habe hautfreund­liche Gesichtsfarben besorgt und mir mehrere Anleitungsvideos zum Gesichtsschminken angeschaut. Der Plan war gut. Alles sah relativ simpel aus. Es hätte eigentlich funktio­nieren müssen.

Das Faschingskostüm fürs nächste Jahr ist bereits fertig:)

Was ist nicht bedacht habe, war, dass das Gesicht zu bemalen, Arbeit am leben­digen Künstlermaterial bedeutet. Das Gesicht von einem 2‑Jährigen zu bemalen, bedeutet Arbeit an einem besonders schwie­rigen leben­digen Künstlermaterial. Deswegen sah es bei uns so aus: Kurz nachdem ich die ersten Striche gesetzt habe, schreit Emil: „Mama, kalt. Ich will nicht“. Die Farbe lässt sich nicht wie im Video ganz leicht mit einer Pinsel auftragen. Einfacher wäre es, sie mit einem Buttermesser aufs Gesicht zu schmieren, das schließe ich aber aus. Das Kind nimmt die Verweigerungsstellung ein und will weder weiter geschminkt noch abgeschminkt werden. Ich muss impro­vi­sieren. Die gelben Striche werden mit Fingern verschmiert und ich schaffe es unbemerkt noch einige gelben Tupfer aufs Gesicht aufzu­tragen. So kriege ich zumindest eine einheit­liche Farbe im Gesicht von Emil hin: Gelb. Ich schaffe es gerade so, ihn noch dazu zu überreden, die Augenbarauen blau anzumalen. Danach sieht das Kind nicht wirklich gesünder aus. Es bleibt aber keine Zeit mehr fürs Nachbessern. Der Cookie-Monster wird auf den Kopf gesetzt und das Kind zur Krippe gebracht. Ich hoffe, es werden keine Fotos gemacht. Ich hoffe, das Kind wird es später nie erfahren und falls doch, dass es mir verzeihen kann.

Fasching 1991. Mama in dem selbst entwor­fenen Teufelkostüm.

2017

Nächstes Jahr bin ich besser vorbe­reitet. Schon Monate vor dem Fasching besorge ich ein profes­sio­nelles Ritterkostüm und ein Schwert. Im Sommer haben wir eine Ritterburg besucht und lesen seitdem immer wieder über Ritterburgen und Ritter.  Aus Alufolie und einem Gürtel bastle ich die richtige Halterung für das Schwert. Dieses Jahr gehört der Fasching uns! Als ich Emil am Vortag der Faschingsparty schlafen lege, reden wir noch darüber, wie spannend es morgen in der Kita sein wird und wie toll sein Kostüm ist. Kurz bevor er die Augen zu macht, dreht er sich noch mal um:

Mama, weißt du, ich will lieber kein Ritter sein. Ich will eine Katze sein – wie Shaun das Schaf.“

Aber Shaun das Schaf ist ein Schaf und keine Katze.“ Emil denkt ein wenig nach…

Aber ich will eine Katze sein, Ritter liebe ich nicht“, sagt er dann entschlossen, dreht sich um und schläft ein.

Nach einer Faschingsparty zuhause.

Am nächsten Tag packen wir das Kostüm in den Rucksack und machen uns auf den Weg zur Kita. An der Tür begrüßt uns ein freudiges, buntes Volk – ein Tiger, ein Pirat, Pocahontas, Pipi Langstrumpf und ein Feuerwehrmann – mit Helm auf dem Kopf und einem Feuerlöscher in der Hand.

Mama, ich will kein Ritter sein. Ich will lieber Feuerwehrmann sein!“. Emil bleibt stur. Keins meiner Worte schafft es, ihn dazu bewegen, sein Kostüm anzuziehen. Er steht da, in der Strumpfhose, die ein Teil der Verkleidung war und will Feuerwehrmann sein. Drum herum tobt alles, singt und tanzt. Eine der Erzieherinnen, als Zebra verkleidet, kommt vorbei.

Kein Problem, wenn du dich nicht verkleiden willst, musst du auch nicht. Komm, wir begleiten die Mama zur Tür und schubsen sie raus.“ Emil weint. Ich weiß, dass es diesmal ernst ist. Ich bin ratlos. Ich habe nun mal kein anderes Kostüm für ihn. Das Zebra schubst mich raus, ehe ich überlegen kann, was ich noch tun kann. Hinter der Tür bleibt ein verheulter Emil, verkleidet in die Strumpfhose. Im Auto muss ich heulen. Ich habe als Kostümdesignerin und als Mutter versagt. Jetzt weiß ich, ich hätte das Kostüm zusammen mit ihm aussuchen sollen. Ich weiß, ich hätte mich nicht raus schubsen sollen. Ich weiß, ich hätte bei ihm bleiben sollen. Der blöde Fasching!

Als ich Emil am Nachmittag abhole, ist der Partyglanz etwas verblasst. Die Prinzessinenkronen hängen verknotet im zerzaustem Haar, der Tiger hat sich ausge­zogen und rennt in einer Jogginghose und T‑Shirt herum – es muss ja auch tierisch heiß gewesen sein in dem Ganzkörper-Tigeranzug. Scheinbar war das bei einigen anderen Verkleidungen auch ein Problem, denn viele Kostüme oder Kostümteile fehlen jetzt. Einige Kinder laufen in der Strumpfhose herum. Nur der Feuerwehrmann ist immer noch in der vollen Montur, mit dem Helm auf dem Kopf und dem Feuerlöscher in der Hand. Ich frage Emil, wie es war.

Das war ganz lustig“, sagt er und strahlt mich an. „Es gab Pfannkuchen. Darf ich nächstes Jahr Feuerwehrmann sein?“

Klar mein Kind, alles was du sein möchtest! Wenn es sein muss, werde ich basteln und nähen. Erziehung ist ein Lernprozess. Nächstes Jahr bin ich bereit!

Hela zähmt die Luftschlangen

2018

Anfang Januar fangen wir an über Fasching zu reden. Glücklicherweise hat man sich in Helas Krippengruppe gegen eine Kostümparty entschieden. So bleibt, wie in den Vorjahren nur die Vorbereitung auf den Fasching in Emils Kita. Wir besprechen mit unserem Sohn, als was er verkleidet sein möchte. Zusammen mit ihm und Papa bestellen wir recht­zeitig sein Wunschkostüm: einen Spiderman. Dann rollt die Grippewelle durch unser Zuhause und Emil ist einige Tage nicht in der Kita. Nach der krank­heits­be­dingter Pause entdecke ich an der Info-Tafel im Kindergarten eine Liste mit den von Kindern erwünschten Leckereien, die die Eltern für die Party vorbe­reiten sollten. Die Liste hängt schon offen­sichtlich seit einigen Tagen, denn es ist nur noch genau eine Position offen: Schokofrüchte. Ich trage mich pflicht­be­wusst ein und überlege, warum sich wohl die anderen Eltern nicht darauf gestürzt haben, so etwas Simples wie Schokofrüchte vorzu­be­reiten? Ich kaufe Früchte und mehrere Tafeln Schokolade, auch in der veganen Variante. Dieses Jahr gehört der Fasching uns!

Am Nachmittag vor der Faschingsparty fange ich mit dem Obst an… Nach relativ kurzer Zeit wird mir klar, warum sich niemand für die Schokofrüchte einge­tragen hat. Alles in der Küche ist bedeckt mit Schokolade – bis auf die Früchte, denn nur darauf will die geschmolzene Masse partout nicht haften bleiben. Ich versuche das Fehlen der Schokolade auf Früchten mit bunten Streuseln zu bedecken.

Schokofrüchte in der Vollmilch- und in der veganen Schokolade

Am Tag der Party wacht Emil mit Fieber auf und meint: „Mama, ich kann nicht in die Kita. Ich habe Bakterien!“. Er bleibt zu Hause. Ich fahre zur Kita ohne Kind, mit einem Teller der wenigen Schokofrüchte, die man als vorzeigbar einstufen konnte. Ich wette aber, dass sie nicht nur bei Eltern der Wickelkinder ganz bestimmte Konnotationen hervor­rufen würden. Ich fahre zur Kita auch, weil heute Punkt um 8:00 das Elterngespräch statt­finden soll. An der Tür begrüßt mich ein freudiges, buntes Volk – ein FBI-Agent, ein Ninja, eine Hexe… Und die Leitern, die mich überrascht ansieht: „Elterngespräch? Den Termin haben wir doch für morgen verab­redet!“.

Fasching ist einfach NICHT MEIN DING!

International Angelman Day 2019

„Zu Ihrem Baby gibt es noch etwas dazu!“, stand auf dem Flyer unserer Krankenkasse, der uns nach der Geburt unserer Tochter ausge­händigt wurde. Was die Krankenkasse meinte, war ein Baby-Schlafsack und noch einige Extras dieser Art. Was nicht im Flyer stand und was niemand zu jenem Zeitpunkt geahnt hat, war das Angelman Syndrom, von dem unsere Hela betroffen ist.

Das Angelman Syndrom ist ein geneti­scher Defekt auf dem 15. Chromosom zu dem ihr mehr Infos hier sowie auf der Website vom Angelman Verein findet. Am 15. Februar findet der International Angelman Day statt– ein Tag, der auf das Syndrom aufmerksam machen soll.

Obwohl mittler­weile fast 3 Jahre seit der Diagnose vergangen sind, fällt es mir immer noch schwer eine Zusammenfassung zu schreiben, wie das Angelman Syndrom unser Leben verändert hat. Es gibt Tage, wo ich denke, dass unser Leben völlig normal ist. Ich zucke immer noch jedes Mal erstaunt zusammen, wenn unsere Tochter als „schwer­be­hindert“ bezeichnet wird – für uns ist sie ein ganz normales Mädchen, nur halt etwas anders als die anderen.

Typisch Angelman: Wasserliebe

Dass wir uns seit der Diagnose verändert haben, stelle ich immer wieder fest. Zum Beispiel, wenn wir einen Wasserschaden und dadurch ein ziemlich unbenutz­bares Badezimmer als ein leicht zu lösendes Problem mittleres Kalibers einstufen. Verglichen mit den epilep­ti­schen Anfällen, unter denen unsere Hela gelitten hat, als der Wasserschaden entstanden ist, schien das ruinierte Badezimmer eine 1+1 ‑Geschichte zu sein: Man wusste genau, was gemacht werden muss. Es gab mehrere Personen, die es machen konnten. Es war doof und lästig aber alles in allem nur eine Frage der Zeit, bis alles wieder behoben ist. Im Fall der Epilepsie ist das anders, denn hier weiß eigentlich niemand, was helfen wird – es gibt keine endgültige Lösung des Problems.

In den letzten drei Jahren haben wir eine andere Perspektive auf das Leben gewonnen: wir haben gelernt Kleinigkeiten klein zu halten. Nicht immer aber meistens. Schwarzen Humor habe ich schon immer sehr geschätzt, jetzt lachen wir oft über Sachen, die uns noch vor einigen Jahren Angst gemacht hätten. Wie neulich, als wir bei einer Kinder-Reha-Ausstellung nach einem neuen Buggy für unsere Tochter gesucht haben. Beim Vorbeilaufen an einem Stand mit Kinderprothesen meinte unser Sohn: „Mama, wenn ich einen Arm verliere, dann möchte ich eine rote Prothese – rot ist meine Lieblingsfarbe. Und wenn ich mein Bein verliere, dann kauf mir eine Prothese mit einem Haken. Dann kann ich gut auf die Eisberge klettern“. Ich fand es eher lustig als makaber. Der Gedanke, dass wir ohne Angelman Syndrom gar keinen Buggy mehr für unsere bald 4‑jährige Tochter bräuchten, ist bei mir im Kopf nicht willkommen.

Und hier findet ihr mehr lesens­werte Blogs und Texte aus dem Leben anderer Angel-Mamas

Aus Deutschland:

https://sharidietz.com/international-angelman-day-15-februar-2019/

Aus der Schweiz:

https://www.juliadellarossa.ch/angelman-verein-schweiz/internationaler-angelman-day/

https://www.stadtlandmama.de/content/interview-mit-melanie-meine-tochter-hat-das-seltene-angelman-syndrom

Aus Österreich:

https://www.angelman.co.at/

Aus Polen:

http://www.naze.pl/index.html

Eine Gruselgeschichte: Unterstützte Kommunikation in der Küche

Mitten in der Nacht wird Mama von seltsamem Krach geweckt. In der Küche wurde scheinbar etwas umgestoßen, jedoch… beide Kinder schlafen, der Papa hat Nachtdienst und ist nicht zuhause. Mama steht auf und schleicht sich mit rasendem Herzen an die Küche ran. Je näher sie der Küche ist, desto klarer ist eine Stimme aus der Küche zu hören: „Essen!“, „Essen!“ wiederholt da eine Frau! „Aber Moment mal, das ist doch MEINE Stimme“, stellt Mama fest und überlegt, ob sie noch träumt oder inzwi­schen verrückt geworden ist.

Da fällt ihr ein, dass Hela seit Neustem einen „Talker“ hat – eine Kommunikationshilfe, bei der man ausge­wählte Bildsymbole besprechen kann. Zum Beispiel nimmt man das Wort „Essen“ auf und verknüpft es mit dem dazu passenden Bild. So kann das Kind ein passendes Symbol drücken und so „sagen“, was es möchte. So stellen wir jetzt mit Hela die ersten Schritte im Bereich Unterstützte Kommunikation.

Die Tomate wollte der Talker auch nicht essen. Bei den Symbolen handelt es sich um die MetaCom-Symbole.

In dieser Nacht stand der Talker in der Küche an die Wand gelehnt und ist aus unerklär­lichen Gründen auf die Obstschale gekippt (angeblich entwi­ckeln einige Objekte ein Eigenleben:). Die Taste „Essen“ wurde dabei betätigt. Und betätigt. Und betätigt. Und betätigt…

Der Talker hat zum Glück das Obst nicht aufge­gessen.