Archiv für den Monat: Februar 2018

Alltagsrückstände. Was der Abfall über uns aussagt.

Irgendwann mal habe ich gelesen, dass Paparazzi Mülltonnen der Prominenten durch­wühlen, um an persön­liche Informationen über die VIPs zu kommen. Der Abfall sagt ja schon einiges über eine Familie aus… Dieses Bild zeigt, was ich IN unserem Sofa vor einigen Tagen gefunden habe. Es zeigt, dass bei uns unmiss­ver­ständlich Kinder wohnen – davon eins mit beson­deren senso­ri­schen Bedürfnissen.

Auf dem Foto zu sehen: Reis- und Buchweizenkörner – mit denen wir ursprünglich mit unserem Sohn die selbst­ge­bas­telten Jonglierbälle befüllen wollten. Letzten Endes befüllten wir damit und mit den Riesenbohnen ein Bällebad für unsere Tochter. So hatten beide Kinder jede Menge Spaß und so landete auch jede Menge von den Körnern in unserem Sofa. Auch zu sehen Luftschlangen und Fetzen von Luftballons – von unserem hausin­ternen Fasching (der Fasching in der Kita ist ja für uns ausge­fallen). Gummibärchen gehören zu unserem Zuhause einfach dazu – ohne Gummitiere wäre das Leben unserer Hela nicht denkbar. Mit dem Bleistift versuchte Mama sich ein paar Notizen in dem spannenden Buch über die mensch­liche Wahrnehmung „Anders sehen“ von Beau Lotto zu machen. Wie ihr euch denken könnt, ist sie nicht besonders weit damit gekommen: Fasching, Körnerbad und so… Und das Aufräumen danach…

Gestern habe ich erfahren, dass es tatsächlich schon seit einiger Zeit die ‘Garbologie’ gibt — die Wissenschaft vom Müll. Hier geht es zu einem inter­es­santen Interview mit einem Garbologen. Was er wohl über unseren Abfall sagen würde?

Infektparade — Krankheitswelle überrollt eine Familie

Meine Damen und Herren, wie in den Jahren zuvor findet auch dieses Jahr pünktlich zur Faschingszeit die tradi­tio­nelle, spekta­kuläre und einzig­artige Infektparade bei der Familie H. statt! Hier berichten wir exklusiv für Sie von diesem eindrucks­vollen Spektakel!

Dieses Jahr wird der Umzug von unserem Spezialgast Königin Influenza eröffnet! Da kommt sie schon. Was für ein Auftritt, meine Damen und Herren: Influenza zwingt den Papa in die Knie und lässt ihn zittern, wie ein Blatt im Wind. Auch der kleinen Hela winkt sie zu, wirft ihr einige Epilepsie-Bonbons zu und bestreut alles reichlich mit Fieber-Konfetti. Und da sehen wir… Ist das zu glauben, meine Damen und Herren, da kommt tatsächlich auch Keuchhusten. Das Kind wurde zwar geimpft – das Nachbarskind aber nicht — ha, ha, ha! Das nicht geimpfte Kind, steckt das geimpfte Kind an ohne selbst krank zu sein: Was für eine drama­tische Wendung! Trotz der Impfung regnet es glitzernde Hustensalven, die Entzündungswerte gehen ab durch die Decke! Spektakulär!!! Sehen wir da schon das Blaulicht des Krankenwagens, erklingt da schon das melan­cho­lisch-drama­tische Auf und Ab des Martinhorns? Nein, noch nicht? Vielleicht beim nächsten Infekt.

Hinter dem Husten sehen wir den etwas unschein­baren aber dafür richtig langen Umzugswagen der Mittelohrentzündung. Die Mittelohrentzündung ist, wie die Influenza, zum ersten Mal dabei aber vielleicht tragen sie sich auf die Liste der Stammgäste ein, denn die Parade scheint ihnen richtig gut zu gefallen. Sie sind beide sichtlich gerührt von der heftigen Reaktion der Zuschauer und den geladenen Patienten und bleiben auch recht lange mit Ihnen in Kontakt – die Influenza schüttelt Vielen die Hände und andere Körperteile. Ja, die Infekte fühlen sich bei der diesjäh­rigen Parade sehr wohl.

Wenn man mit der Wäsche nicht hinterher kommt, muss man sich überlegen die Wäscheberge dauerhaft in das Hausinterieur zu integrieren. Hier unser Vorschlag Nr. 1: die Wiese

Natürlich dürfen auch die bunten Jecken: Schnupfen und Bronchialhusten nicht fehlen. Sie sind, wie immer, zahlreich erschienen. Phänomenal wie sie sich durch die Menge schlagen! Auch die Neurodermitis hat sich diesmal besonders hübsch geschminkt, vielleicht etwas extra­vagant aber dafür ist sie ja bekannt. Den Umzug schließt tradi­tionell ein Magen-Darm-Virus ab, den viele schon gut kennen: Klein, aber oho! Er gibt wirklich alles um das Publikum zum Schluss zu unter­halten! Welch ein Trubel! Was noch nicht vollkommen mit Konfetti und Luftschlangen bedeckt war, verschwindet jetzt unter den vollge­spuckten Wäschebergen und leeren Medikamentenpackungen. Grandios! Einfach nur grandios!

Keine Sorge, meine Damen und Herren, das Reinigungsteam wurde auch dieses Jahr zur Hilfe geholt. Für die Aufräum‑, Desinfektions- und Sterilisationsarbeiten wurden gleich mehrere Praktikumsstellen ausge­schrieben. Erschienen sind nur Mama und Papa. Voller Eifer und Engagement geben sie zwei wirklich tolle Praktikanten ab: unbezahlt und überqua­li­fi­ziert, kann man sich mehr wünschen?

Tolle Parade. Lang lebe das Karneval! Helau! Helau! Helau!

Vorschlag Nr. 2: Alpenblick

International Angelman Day

Am 15.02. ist International Angelman Day. An diesem Tag feiern wir nicht das Syndrom,  sondern machen darauf aufmerksam – und auf die Menschen die davon betroffen sind, wie unsere Tochter Hela. Gleichzeitig würdigen wir die Arbeit von so vielen Personen, die sich unermüdlich dafür einsetzten, dass es unseren Kindern besser geht. Sie sind meistens keine einfluss­reichen Besserwisser, sondern eher die Helden des Alltags, die neben der üblichen Verpflichtungen noch Zeit dafür finden, verläss­liche Informationen zum Syndrom zu sammeln und zu verbreiten, neue Studien anzubahnen und durch­zu­führen, Geld für diese zu akqui­rieren und nebenbei noch Fragen von Angelman-Eltern zu beant­worten.

Auf der Seite vom Angelman Verein findet ihr viele Infos zum Syndrom sowie zum Internationalen Angelman Day.

Hier ein Link zu einem tollen Beitrag von Shari Dietz – einer Angelman-Mama, die mir in diesem Text in vielerlei Hinsicht aus der Seele spricht.

Und wer auf lustige Bilder steht, findet sie bei „Typisch Angelman ist…“, auf der Webseite vom Angelman Verein Schweiz.

Und heute: Mutterwärme

Mama, mir ist kalt!”, sagt der fiebernde Emil.

Leg dich doch auf die Couch unter die warme Decke”, schlägt Mama vor.

Nein, die Couch ist kalt. Die Decke ist auch kalt. Alles ist kalt! Du bist das einzigste Warme hier! Deswegen muss ich jetzt mit dir kuscheln.” Emil kuschelt sich an die Mama und ihr Herz schmilzt, wahrscheinlich vor Wärme.

4770 Mahlzeiten — Gut gemacht! Was Eltern richtig machen.

Dieser Beitrag ist ein Teil der Blogparade #gut gemacht von Mama on the Rocks. Hier könnt ihr nachlesen, was die anderen Elternblogger zu diesem Thema schreiben.

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4770 Mahlzeiten. Ungefähr so viele Mahlzeiten haben wir unserer bald 3‑jährigen Tochter serviert. Manche hat Papa zubereitet, viele wurden von Dirk Rossman, Klaus Hipp oder deren Küchengehilfen gekocht, die meisten wurden von mir aufge­tischt. Dazu kommt noch: 11 Monate lang war ich die Mahlzeit, denn in der Stillzeit wurde für den Großteil der Mahlzeiten mein Körper direkt angezapft. Bei unserem 4,5 Jahre alten Sohn haben wir die Berechnungen wegen der zu vielen Variablen sein lassen (Krippe, Kita, Abwesenheiten in der Kita wegen Krankheiten etc).

Also 4770. Eine beein­dru­ckende Zahl, wenn man bedenkt, dass weder ich noch Papa eine Kochausbildung absol­viert haben und auch nicht im Catering-Bereich tätig sind. Wir sind einfach nur Eltern – und es ist keine großartige Leistung, dass man den eigenen Nachwuchs mit Nahrung versorgt. Es ist eine Selbstverständlichkeit.

Das bisschen Haushalt macht… die unsichtbare Hand.

In diesem Beitrag möchte ich all die Selbstverständlichkeiten würdigen, die erst sichtbar werden, wenn etwas nicht funktio­niert. Sachen, die alle für so selbst­ver­ständlich halten, dass man manchmal den Eindruck gewinnt, sie würden sich von alleine machen oder von einer unsicht­baren Hand verrichtet werden. Sachen, die kaum angesprochen werden. Oder habt ihr je gehört:

Hey, deine Kinder haben schon wieder saubere Klamotten an!“, oder auch:

Mensch, deine Kleinen tragen heute der Jahreszeit und dem Wetter angepasste Kleidung und wieder in der richtigen Größe!“,

Wie schaffst du das bloß, deinen Kids jeden Tag den momen­tanen Vorlieben und dem aktuellen Entwicklungsstand der Mundmotorik entspre­chende Brotzeit mitzu­geben?“,

Schon wieder hast du recht­zeitig die Sonnenmütze/ passende Hausschuhe / Wechselkleidung / 5 € für den Dampferausflug / xxx / in die Kita gebracht“,

Und der Fußboden ist bei dir schon wieder sauber!“.

Kleidung, Schuhe besorgen, Eincremen, Baden, Haare und Fingernägel schneiden, Zähne putzen, die Wohnung aufräumen, Brot und Klopapier kaufen… Die Liste kennt ihr alle! Sie besteht aus unzäh­ligen Kleinigkeiten, die an sich nicht so drama­tisch sind aber die Menge macht es!

Ist das Kind, wie unsere Tochter behindert, sind die Selbstverständlichkeiten nicht mehr so selbst­ver­ständlich und kosten noch mehr Kraft als sonst. Je stärker betroffen das Kind ist, desto mehr Energie braucht man für die kleinsten Alltagsverrichtungen. Denn unsere Tochter beschäftigt sich mit Sachen, die im Leben essen­ziell sind: Liebe, Kuscheln, Licht und Materie, Philosophie und Gummibärchen. Der Alltag ist nicht ihre Stärke. Was sie selbst dazu sagt, könnt ihr in dem Beitrag Folter des Alltags lesen.

Es kostet unendlich viel Kraft einen Menschen (behindert oder nicht) auf seiner Reise von einer befruch­teten Eizelle zum Erwachsenen tagtäglich zu begleiten und mit diversen Selbstverständlichkeiten zu versorgen.

Am besten, wenn Kinder im Haushalt mithelfen!

Und wenn man dann ganz unpäd­ago­gisch genervt ist, wenn das Kind eine Mahlzeit verweigert, weil es unter den gewünschten Nudeln plötzlich ein Blatt Kresse entdeckt hat („Ih, grün liebe ich nicht“), fühlt man sich nicht gleich mies sondern denkt sich:

Gut gemacht, unsichtbare Hand!