Geschwister behinderter Kinder — Geschwisterkinder

Hela ist 6 und hat das Angelman Syndrom. Während gleich­altrige durch die Spielwiesen hopsen, widmet sie sich lieber scharf­sin­nigen Beobachtungen und stellt sich unerschrocken diversen Fragen philo­so­phi­scher Natur. Könnte sie sprechen, würde sie mögli­cher­weise das hier über Geschwister behin­derter Kinder und über ihren Bruder sagen…

Ich finde es sehr beruhigend, dass es auf dieser Welt Menschen gibt, die es schon immer gab. Es gab noch nie zuvor in meinem Leben Zeiten, wo es sie nicht gab. Jedes Kind weiß, dass die Dinosaurier längst ausge­storben sind – aber diese Menschen, die gibt es immer noch! Für mich sind diese Menschen meine Mama, mein Papa und mein Bruder. Mama und Papa sind uralt — wie die Dinosaurier – aber trotzdem immer noch da und sonst auch voll o.k.

Von meinen Eltern kann ich euch ein anderes Mal erzählen – heute soll es um meinen Bruder gehen. Er ist noch nicht so alt, weiß aber dennoch meist alles besser. Er kann eine Menge Sachen gut tun. Auch die Sachen, die er noch nicht kann, kann er voll gut! Oder wie es Pippi Langstrumpf treffend formu­liert hat: ”Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!”. Das hat sich mein Bruder zu Herzen genommen und ist folglich Meister in: Kitesurfing, Schweißen, Bedienung von Elektrosägen, Bagger und anderer Baustellengeräte, in Tiefseetauchen sowie in Festnahme von Schmuckdieben.

‘Komm, Hela, ich weiß, wo es die einge­schweißten Wasserflaschen aus Plastik gibt’ sagt er
und führt mich dorthin, denn er weiß IMMER was ich brauche! My Bro!

Außerdem ist er schnell. Verdammt schnell.

Er bewegt sich hin und her  — viel schneller, als man gucken kann und es wundert mich, dass ich ihn nie über die Wohnzimmerdecke laufen sah. Er scheint überall gleich­zeitig zu sein und er macht IMMER etwas. IMMER. Er hat auch IMMER einen Plan und zwar für uns alle. Er weiß genau, was Mama und Papa tun sollen und was er tun will und das schon gleich nachdem er morgens seine Augen aufge­macht hat. Er weiß auch meistens, was ich machen will, auch wenn ich ihm das ja nicht direkt sagen kann. Glaubt mir, er weiß trotzdem Bescheid, denn erstens war er ja schon immer da, seit der ersten Minute meines Lebens. Zweitens wollen wir meistens beide einfach Quatsch machen und das kann man zu zweit am besten und er hat einfach auch sehr viele hervor­ra­gende Ideen diesbezüglich!

Mein Bruder, der bringt mir immer Sachen. Mein Plan, den Dingen beizu­bringen, dass sie selbst zu mir kommen sollen, (darüber könnt ihr hier lesen) scheint leider nicht zu funktio­nieren. Macht nichts, mein Bruder versorgt mich immer mit einer Menge Sachen, die ich wirklich gerne habe, mit vielen Sachen, die ich inter­essant finde, auch wenn ich keine Ahnung habe, was ich mit ihnen anfangen soll; und hin und wieder auch mit einigen Sachen, die ich nicht so gerne habe. Egal: alles ist besser als Langeweile und langweilen kann man sich mit meinem Bruder nun wirklich nicht.

Was er alles kann, mein Bruder! Blitzschnell laufen, klettern, Fahrrad fahren, Wasser in den Sandkasten schütten, selbst in die Badewanne hüpfen, laut singen, schwimmen, hüpfen, mit Steinen werfen, Dosen aufmachen… Keine Ahnung, wann er das alles gelernt hat! Er weiß auch immer, wo die Gummibärchen versteckt sind und kriegt er welche geschenkt, teilt er sie mit mir. That’s my Bro!

An dieser Stelle möchte ich einfach klipp und klar sagen: Geschwister sind exorbitant toll, phantas­tisch und unersetzlich!!! Die Welt ohne Geschwister wäre wie eine leere Gummibärchentüte, wie ein Toastbrot ohne Marmelade, wie Badewanne ohne Wasser – mit anderen Worten: ganz anders und wirklich nicht so schön.

Geschwister behinderter Kinder
Kuscheln konnte man mit meinem Bro schon immer sehr gut. Hier ein Archivbild, als wir noch megaklein waren.

Einen Haken gibt es allerding an der Geschwistersache: man muss sich die Eltern teilen.

Fast nie kann ich Mama und Papa ganz alleine für mich haben – mein Bruder will immer dabei sein. Ist ja o.k. Aber manchmal will er ganz alleine mit Mama kuscheln und das geht mir ehrlich gesagt zu weit. Er will auch ständig Aufmerksamkeit! Werde ich gewickelt, angezogen, gewaschen, werden meine Mahlzeiten zubereitet und serviert, werden meine Therapien besprochen oder auch auf Arztbesuchen, wenn ich im Krankenhaus bin oder bei der Antragstellung wegen Hilfsmittel, Kita, Reha oder Ähnlichem – nie ist er bereit kurz ein paar Stunden zu warten und versucht ständig auch sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Typisch. Naja, seit ich an den Haaren ziehen kann und seitdem auch das Wegschubsen sehr gut klappt, kann ich die gerechte Elternverteilung immer wieder nachverhandeln.

Wobei Mama und Papa da relativ unbeteiligt an die Sache heran­gehen und die Nachverhandlungen nicht so gerne sehen. Ich fände etwas mehr Einsatz zu meinen Gunsten wirklich angebracht aber gut, man hat nicht immer genau das, was man will. Man muss im Leben gesunde Kompromisse schließen können. In diesem Sinne: eine Tüte Gummibärchen und die Mama gehört für zwei Minuten dir, Bro!

Schlafstörung? Fit für die Zukunft — mit Intervallschlafen!

Hela ist 6 und hat das Angelman Syndrom. Während gleich­altrige durch die Spielwiesen hopsen, widmet sie sich lieber scharf­sin­nigen Beobachtungen und stellt sich unerschrocken diversen Fragen philo­so­phi­scher Natur. Könnte sie sprechen, würde sie mögli­cher­weise das hier über ihre Schlafstörung sagen…

In einem langjäh­rigen Selbstversuch habe ich festge­stellt: Jedes Jahr wird man älter. Und weil es nie zu früh sein kann, habe ich mir in den letzten Monaten meines 5. Lebensjahres besonders viele Gedanken darüber gemacht, was ich in Zukunft beruflich machen könnte und was so richtig viel Geld bringen würde. Folgendes habe ich herausgefunden.

Schlafstörung bei einem behinderten Kind
Alles schläft, eine wacht… eine und ihre Eltern

Die meisten Menschen sind bereit sich auf die oder andere Art freiwillig zu quälen. Je größer oder inten­siver diese Quälerei ist, desto größer ist die Bereitschaft dafür auch noch Geld zu bezahlen. Die einen verzichten auf Zucker oder Plastik und kaufen Bücher darüber, wie sie darauf verzichten sollten. Die anderen verzichten auf andere Sachen. Grundsätzlich kann man ein belie­biges Produkt wählen und man findet sofort einschlägige Literatur, wie man darauf am besten verzichten kann. Tut es richtig weh, kann man auch eine/n Coach*in engagieren, der/die diese Bücher gelesen hat und dann einem persönlich erklärt, wie man am effek­tivsten die gewählte Sache nicht isst oder nicht kauft oder nicht benutzt.

Unter den vielen Verzichtsmethoden gibt es eine, die mich besonders angesprochen hat: Intervallfasten. Man fastet — aber nur eine Zeitlang, danach fastet man wieder nicht. Dann fastet man wieder und dann wieder nicht und so weiter und so weiter. Die Idee ist primär fürs Essen gedacht. Allerdings bin ich mir sicher, dass man sie problemlos und gewinn­bringend auch auf andere Bereiche übertragen kann. Wie zum Beispiel auf das Schlafen.

Aufs Schlafen sind alle genauso fixiert, wie aufs Essen. Man soll so viele und so viele Stunden schlafen, sonst wird man krank, alt und koffe­in­süchtig… Wirklich schlimm… Deswegen meine bahnbre­chende Idee: das Intervallschlafen. Meine Allzweckwaffe gegen alles!

Die Methode funktio­niert prima. Könnt ihr mir glauben. Und für die Skeptiker führe ich seit längerer Zeit eine Studie zur Wirksamkeit vom Intervallschlafen mit meinen Eltern als Testpersonen. Bislang läuft alles sehr super.

Die Intervalle, die ich mir ausge­dacht habe, sind wie folgt: 6–4‑2. Ich schlafe zunächst 6 Stunden, in den darauf­fol­genden 4 Stunden schlafe ich bewusst NICHT und dann schlafe ich noch 1,5 – 2 Stunden nach, weil ich einfach hundemüde bin und ja so nicht in meinen Kindergarten gehen kann. So komme ich auf die gesunden 8 Stunden Schlaf, die ein Mensch eigentlich zum Leben braucht und hole aber auch von der Nacht jede Menge Exklusivzeit mit Mama oder Papa raus. Toll, ne?

Meine Eltern sind nicht eupho­risch, ja, sogar ziemlich begeis­te­rungs­re­sistent. Ich muss mir jede Menge Tricks einfallen lassen, um sie durch die 4‑stündige Schlafentzugsphase durch­zu­bringen aber ich bleibe hartnäckig und bin in diesem Punkt sehr kreativ. Schließlich bin ich ja Coach und will damit reich werden.

Demnächst könnt auch IHR eure Einzel-Coaching-Stunden im Intervallschlafen bei mir buchen! Ich glaube ich muss da aber erst 6 werden oder so, sonst kann ich nach 22 Uhr nicht arbeiten, habe ich mal gehört. Bis dahin mache ich das eben ehren­amtlich, für meine Eltern!

Aber ihr könnt schon jetzt mein Online-Coaching als PDF-Audio-iPodcat-Book herun­ter­laden. Mit jeder Menge Emojis, Buchstaben und einem Bild von meinem Kita-Kumpel. Und mit prakti­schen Tipps und dem ganzen Drum und Dran und vielen Infos aus vielen Bereichen rund um das Thema Schlafen, Nicht-Schlafen und Einhörner. In der limitierten Erstausgabe gibt es als Bonusmaterial auch Fotos, die ich nachts gemacht habe, mit dem Handy meiner Mutter. Gespannt, was darauf zu sehen ist…? Holt euch mein Teaching JETZT zum Super-Vorzugs-Vorverkaufs-Dauertief-Preis:

1 Million Euro!!!

Oder wie mein Bruder, und mein wichtigster Geschäftspartner, sagt: ein Euro und ganz viele Nullen. Er sagt auch, am besten ihr gebt uns keine Münzen sondern Scheine oder auch Pfanddosen. Alternativ könnt ihr das Geld (aber keine Dosen) auch an die Wachgeküsst-Kampagne (https://wachgekuesst.force.com/) spenden. Wachküssen finde ich nämlich ganz super und die Kampagne könnte für meine Zukunft auch einen wichtigen Impact haben.

Danke im Voraus!

Eure Hela

Mehr über die Schlafstörung bei Kindern mit dem Angelman Syndrom erfährst du hier.

Der Winter kommt — ich habe Hunger!

Morgens: Ab morgen keine Süßigkeiten. Abends: Da waren noch irgendwo diese Schokoladenreste...
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Der Winter kommt und er wird hart sein. Das spüre ich. Ich habe seit Tagen so ein Bauchgefühl… Mein Bauch sagt mir nämlich wiederholt: „Der Winter kommt und er wird hart sein. Bereite dich vor! Bereite dich vor und beuge dem Hungertod vor. Suche Nahrung! Iss! Iss, als sollte kein Frühling mehr kommen! Iss, was du kannst. Was du nicht mehr essen kannst, isst du in einer Viertelstunde. Nu, iss jetzt! Der Winter kommt!“.

Seit die Tage kälter geworden sind, teilt mein Gehirn die Welt in zwei Hälften auf: die essbare Hälfte und die nicht essbare Hälfte. Die essbare Hälfte scheint größer zu sein. Um mich abzulenken, versuche ich Verschiedenes – zum Beispiel zu arbeiten. Ich schreibe. Ich schreibe diesen Text – über das Essen. Pistazien — Nüsse ‑Tortilla Chips… Ich gucke lieber mal die Nachrichten – da kommt man sofort auf andere Gedanken. Die Corona-Zahlen steigen, Corona-Zahlen sinken, Corona-Zahlen steigen wieder. Achtung, der Winter kommt! Er wird hart sein. Kaufen schon wieder alle Nudeln? Nudeln mit Soße und Käse obendrauf — als Nachtisch Tiramisu… Zuckerfrei wollte ich leben, also kein Tiramisu, keine Nudeln! Basta! Klingt fast, wie Pasta. Ich esse erst mal einen Apfel, dann schauen wir weiter. 

Dann mache ich eben eine richtig penible To-Do-Liste für die kommenden Tage, um konzen­triert bei der Sache zu bleiben. Die Termine, die anstehen, die Aufgaben nach Dringlichkeit sortiert… Pistazien – Nüsse ‑Tortilla Chips… Die erste Aufgabe für morgen früh: ‘Nüsse kaufen!!!´

Wie soll man es bis zum Frühling schaffen? Winterschlaf!
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Ganz im Ernst: was das Essen angeht, scheint meine eiserne Disziplin (hust, hust) seit Neustem Corona-frei zu haben. Meine Disziplin wurde mit Anfang November in Quarantäne verbannt und darf keinen Kontakt mehr zu meinen Gehirnzellen unter­halten. Ein Hungermonster wütet in meinem Inneren und versucht den Lichtmangel — und zwar jeden einzelnen Sonnenstrahl, der an mir vorbei­ge­gangen ist — mit hochka­lo­ri­schen Lebensmitteln zu kompensieren. 

 Ein Text meiner Krankenkasse beruhigt mich in dieser Hinsicht. Ich bin nicht verrückt geworden — durch verän­derte Lichtverhältnisse ändert sich die Produktion der Hormone Melatonin und Serotonin  — nicht nur in meinem, sondern generell in mensch­lichem Körper zu dieser Jahreszeit. Es wird zu viel von dem „Dunkelheitshormon“ Melatonin produ­ziert – man wird schläfrig und müde. Mein Körper würde scheinbar gerne in den Winterschlaf fallen, nur drei Monate wie ein Braunbär oder fünf Monate wie ein Igel, würde ich es ohne Nahrung nicht schaffen — momentan scheinen auch fünf Minuten absolut unüber­brückbar zu sein.

Aber, was soll’s. Ich kämpfe mich durch: Gehe öfters nach draußen und versuche dort jede Lux-Einheit aufzu­saugen, die ich nur kriegen kann. Ich bewege mich viel – in alle Richtungen, fast den ganzen Tag. Ich treffe Freunde (natürlich einzeln – nur ein weiterer Haushalt) und sorge für schöne Stimmung, auch wenn ohne empfohlene Duftkerzen. Und falls nichts der obigen gegen den Dauerhunger helfen sollte, habe ich eine Geheimwaffe entdeckt: eine Unterhose in der Lockdown-konformen Größe S‑XL. Ihr versteht: EINE Unterhose, die dank ihrer Stretchigkeit, je nach jewei­ligen Laune und Linie entweder Größe S oder aber L hat. Oder XL. In diesem Sinne: der Winter kann kommen!

Meine Corona-Best-of-Liste

Homo Coronatus - wie ein Mensch nach der Corona-Pandemie aussieht
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Nicht nur die Farben in der Corona-Ampel wurden dunkler, sondern auch die Tage draußen. Der November-Blues begleitet uns musika­lisch durch die zweite Pandemie-Welle. Kommt euch das Ganze auch manchmal wie ein schlechter Witz vor? Eigentlich gibt es wirklich nichts zu lachen – wenn ihr mich fragt, die beste Zeit für eine Satire.

Deswegen heute meine persön­lichen 5 Corona-Best-ofs:

1. Hamsterkäufe. Vielleicht das Lustigste an unserem Umgang mit der Pandemie. Nur wenige Menschen stehen dazu. Eigentlich kauft fast niemand fast nichts auf Vorrat. Allerdings fegt das Wörtchen „fast“ ganze Regale leer. Mit jeder Klopapierrolle steigt unser Sicherheitsgefühl, jede zusätz­liche Packung Nudeln im Schrank macht uns weniger verwundbar. Die mit den besonders schwachen Nerven haben im März vorsichts­halber ein Vorrat an Mineralwasser angelegt, dass sich in den Sommermonaten als sehr praktisch erwiesen hat und im Dezember gut als Unterlage für den Weihnachtsbaum dienen kann. Hamstern stellt die Lernfähigkeit unserer Gesellschaft in Frage. Wir haben zwar bemerkt, dass die leeren Regale bei der ersten Welle nicht an den Engpässen lagen, sondern am Horten. Niemand musste den Allerwertesten mit dem Laub abputzen. Kaum wird die zweite Welle in den Medien ausge­rufen, stehen die Klopapierregale wieder leer.

2. Die Alltagsmaske. Ja, mittler­weile doch die ALLTAGS-Maske. Nach einem langen und konflikt­reichen Prozess wurde der Mund-Nasen-Schutz mittler­weile zum Alltagsgegenstand gekürt. Für mich ist die Maske in doppeltem Sinne gesund­heits­för­dernd. Nicht nur sorgt sie dafür, dass weniger Viren und Bakterien im Umlauf sind. Mich persönlich regt sie auch zu mehr Bewegung an. Stehe ich vor dem Laden, stelle ich fest, dass ich sie zuhause habe liegen lassen und muss den kompletten Weg erneut zurück legen. Habe ich fast schon das 4. Stock erklommen, fällt mir ein, dass die Maske immer noch im Auto liegt. Seit die Maskenpflicht gilt, hat sich meine tägliche Schrittzahl verviel­facht. Ich sehe das als eine gute Vorsorgemaßnahme.

3. Panik. Wir sind alle mündige Bürger: infor­miert, Verstand getrieben, logisch denkend. Wir wissen, es besteht momentan kein Grund zur Panik. Es sei denn, jemand niest in der Schlange an der Supermarktkasse. DANN NICHT! ES KÖNNTE SICH UM EINEN SUPERSPREADER HANDELN!!! Ein Superspreader ist sozusagen der Superman, nur im Dienste der SARS-Viren. Mit einem bloßen Nieser an der Supermarktkasse kann er oder sie, trotz der Maske, nicht nur alle Menschen im Supermarkt, sondern sogar alle Mitarbeiter der Liefer UND der Produktionskette anstecken! Gegenüber den Niesern und Nieserinnen muss man eine klare Stellung beziehen und sie zumindest mit Blicken aufs Schärfste verurteilen.

4. Auch wenn wissen­schaft­liche Nachweise dafür ausbleiben, sind Kinder gefühlt alle Superspreader. Sie taumeln sich in ihren Schulen und Kitas, schreien, singen, fassen sich an und tauschen Radiergummis und Stifte. Wie lange kann SO etwas noch gut gehen?! Klar müssen Kinder von der Gesellschaft irgendwie geduldet werden ABER NICHT WENN SIE NIESEN!!! 

5. Videokonferenzen. Das mit der Vereinsamung mag für manche stimmen. Bei mir war das eher so, dass ich seit meiner Uni-Zeit nie so viele Menschen getroffen habe, wie im Lockdown. Selbstverständlich online. Sobald man in den eigenen vier Wänden einge­schlossen wurde, wollten sich alle UNBEDINGT wieder treffen. Bekannte, die seit Monaten für ein reales Treffen keine Zeit gefunden haben, weil sie abends auf der Couch einschliefen, haben mich plötzlich angeskypt. Leute, die ich seit 14 Jahren nicht mehr gesehen habe, wollten alle zoomen. Die GESAMMTE Familie, auch die entfern­testen Cousinen und Cousins, ja sowieso: („Und bei euch? Wie sind die Infektionszahlen bei euch so?“). Plötzlich war wieder Highlife bei mir im Wohnzimmer! Leider ist mein Versuch fehlge­schlagen, mit den restlichen Familienmitgliedern per Zoom zu kommu­ni­zieren – zum Beispiel aus dem Schlafzimmer. „Mama, da klebt was an meinem Fuß. Ich glaube es ist ein Stückchen verschim­melter Banane!“, „Oh, tut mir leid Schatz, die Internetverbindung ist leider instabil! Ich werde grad rausge­worfen! Tschüß!!!“.

In diesem Sinne, lasst uns unser Alltagslächeln nicht verlieren – auch unter der Alltagsmaske wirkt es wahre Wunder!

Mit Wut durch den Familienalltag. Mama jenseits der Kommunikationsbereitschaft.

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Eins kommt zum Anderen – und bereits Nummer Eins ist schon nervig genug. Dann geht es nur noch so weiter. Eigentlich alles Kleinigkeiten – das achtsame Ich weiß das und stimmt immer und immer wieder innerlich das buddhis­tische Mantra Om…. Die schlaflose Nacht – Om… Kind mit dem linken Fuß aufge­standen – Om…. Der Ehemann stellt die falschen Fragen — Om…. Kind 2 verwüstet einen Raum nach dem anderen – Om… Die Milch wieder angebrannt — Om…. Der Kaffee ist alle… Om… Om… OM. Der transzen­dente Klang schallt ungerührt durchs Universum…. Verflucht noch mal! O‑M!!! War das etwa nicht klar genug?! Welchen Teil von OM hat das Universum jetzt nicht verstanden? Und wie oft muss ich das noch wieder­holen, he?! 

Dann ist es zu spät. Ich habe den Mount Everest der Gereiztheit nach Luft schnappend erklommen. Ich bin nicht mehr gereizt. Ich bin die verfluchte Göttin Kali in Persona und wünsche mir nur noch das komplette Universum, inklusive dieser verdammten Schwarzen Löcher, mit zornigem Gebrüll auszu­füllen! Ja, genau DEN Zustand meine ich. Und kommt mir bloß nicht mit 10 Entspannungstipps für Gestresste, Atemtechniken, Bewegung an der frischen Luft,  sich Zurückziehen und zählen bis einer Trilliarde. Wie hat sich das alles zu den zwei Kids, die mich erwar­tungsvoll anschauen und sich nach der nächsten Mahlzeit erkundigen?

Yoga soll ich machen, ja? Was denn? Der herab­schauende Hund? Auf wen schaut er denn so herab, der verdammte Köter? Sonnengruß, dass ich nicht lache. Hallo, liebe Sonne! Brenn bitte, bitte alles nieder! Ich streue dann Salz hinterher. Heute ist mir nur nach dem abgefuckten Krieger 1 UND 2.  Krieger, oh… Krieger kann ich im Moment echt gut. Willste Krieger?! Willste Krieger?! Na komm, komm… Kommt ihr ALLE und ich zeige euch die komplette Terrakottaarmee…

Tief durch­atmen sollte ich. Ja, das sollte ich. Atmen muss man. Die ganze Welt ist gerade voller Sachen, die ich machen muss und die ich machen SOLLTE. Überall nur SOLLSTE, SOLLSTE, SOLLSTE. Aber jetzt ist Schluss. Von wegen durch­atmen! Jetzt halte ich aus reinem Trotz eben die Luft an! 3 Minuten Selbstbestimmung! Ok, dann eben nur 1,5 Minuten. Ich laufe rot an und muss keuchen. Wer kommt denn auf solche bescheu­erten Ideen mit der Atmung?!

Stress? Abgeschafft!

Die Ursachen für Gereiztheit, sagt der Psychologe, sind unter anderem Stress und Schlafmangel. Ok, alles klar. Dann verbiete ich eben Stress auf der ganzen Erdkugel. Hiermit wird Stress mit sofor­tiger Wirkung ein für allemal abgeschafft. Und die Kinder werden ab jetzt angehalten bedin­gungslos durch­zu­schlafen. Generell und ohne Ausnahmen und in dem dafür vorge­se­henen Zeitfenster. Dieses Zeitfenster ist NACHTS! Verstanden, Kinder? Na, also…

Nein, jetzt im Klartext: das Einzige was mir heute helfen würde ist die Abschaffung der Realität! SOFORT! Und der einzige für mich akzep­table Tipp kommt von meinem geliebten Wondrak-Schöpfer und ist quasi die Fortentwicklung der Idee mit Luftanhalten: „Herr Janosch, was macht man gegen die Wut?“, wird er gefragt und antwortet: „Gut ist etwa, wenn man den Kopf in einen Eimer mit kaltem Wasser steckt. So lange, bis man nicht mehr wütend ist“. Also das mache ich jetzt. Das mache ich und sobald ich nicht mehr wütend bin, gehe ich schlafen  — die ganze Wut macht nämlich verdammt müde. 

#corona­eltern

Unnützes Zeug richtig einkaufen.

Ich gehe einkaufen. Du kaufst immer so komisches Zeug, das nicht auf der Liste stand’, meinte heute mein Mann und zog los. Er kam zurück.

Wir heißen unseren neuen Mitbewohner herzlich willkommen: ein tanzender Dromader, der zu drei verschie­denen Melodien mit dem Po wackelt ‘… 😑

Unnützes Zeug in Action 

Das Schwarze Loch – 20 Jahre nach dem Physikunterricht

Energie geht nie verloren, heißt es in der Physik… In was, frage ich mich dann, wurde die Energie umgewandelt, die unsere Physiklehrerin darauf verwendet hat, uns die Gesetze ihres Fachs in die Köpfe rein zu hämmern? Was passiert mit der Energie, die die Lehrer in die Wissensvermittlung reinstecken? Und was bleibt hängen, so nach 20 Jahren?

Das Schwarze Loch. Erinnerungen an Physikunterricht.
Woran sich die Illustratorin nach 20 Jahren erinnern kann…
Diese und mehr von den tollen Zeichnungen von Kura findet ihr auf Kura zeichnet.  Oder auch hier.

Unsere Physiklehrerin sah wie Kopernikus in blond aus und war eine eher stille Person. Vielleicht lag das daran, dass sie eine piepsige Stimme hatte, die es ihr im Studium mit Sicherheit nicht leicht gemacht haben muss. Hatte sie keinen Grund zum Reden, hat sie gerne geschwiegen. Wir, die Schüler, haben uns auch nicht darum gerissen, eine Antwort auf ihre Fragen zu geben. Es herrschte Stille in unserem Physikraum…

Der Raum an sich war furcht­ein­flößend: an den Wänden hingen Poster mit Bildern und Formeln, bei denen wir alle eine Vermutung hatten, dass wir sie eigentlich verstehen sollten. Um unange­nehme Fragen nicht zu provo­zieren, haben wir versucht, die Poster möglichst nicht anzuschauen. Es gab ein paar Exponate, haupt­sächlich aus Metall, dessen Zweck sich uns auf Anhieb nicht erschlossen hat. Anfassen durfte man sie nicht.

Generell war unser Physikraum umhüllt von einer Aura der Abstraktheit. Imaginäre Kräfte wirkten sich auf imaginäre Objekte aus. Widerstand wurde nicht geleistet, sondern berechnet und der Strom versteckte sich hinter trockenen Formeln und in der Steckdose. Die Tafel war unser Experimentierfeld.

Was die Inhalte angeht, kann ich mich auch nach 20 Jahren an zwei Sachen noch ganz genau erinnern:

Erstens: E = mc²

Zweitens: Es war und ist mir vollkommen Wurscht, wo sich diese zwei verdammten Züge treffen, von denen der eine vom Punkt A mit Geschwindigkeit X km/h losfährt und der andere vom Punkt B mit der Geschwindigkeit Y km/h! Was mich beschäftigt hat, war schon immer die Frage, wer sitzt denn in diesen Zügen und warum? Wo fahren die Personen hin und was ist ihre Geschichte?

Ich kann mich erinnern, dass mich diese Fragen bei der Klassenarbeit nicht sehr weit gebracht haben — zur großen Verzweiflung von meinem Vater (einem Physiker), der mir die Aufgabenstellung abermals erklärt hat. Es tut mir sehr leid um die ganze Energie, die dabei im Universum verschwand…

Nach der Aufgabe mit zwei Zügen gefragt, antwortete mein Mann unbeein­druckt: „Die war leicht“. Scheinbar kam die Energie, die bei mir entwichen ist, bei ihm mit doppelter Stärke an, denn er kann sich noch an recht viele Inhalte aus seinem Physik-Unterricht erinnern. Was ihm am besten in Erinnerung geblieben ist? Einmal musste er in seinem Physik-Leistungskurs Raketen basteln. Die Flugbahn sollte berechnet werden und auch wie viel Treibstoff die Rakete auf ihrem Flug zum Mond verbrauchen würde. Anschließend wurden die Raketen auf dem Schulhof abgefeuert. „Naja, zum Mond haben wir es nicht geschafft aber bis zu den Mädels, die auf dem Hof Sportunterricht hatten, hat es gereicht, hehe…“, erzählte er mit einem verschmitzten Grinsen.

Und wie sieht das bei euch aus? Wenn ihr an euren Physikunterricht zurück­denkt: lächelt ihr da oder krampft der Bauch?

Physikunterricht in der Schule. Aufgabe mit Zügen.
Nicht WO sondern WARUM? Die und mehr von den tollen Zeichnungen von Kura findet ihr auf Kura zeichnet.  Oder auch hier.

Das Thema entstand im Gespräch mit Agnieszka Spizewska, Gründerin des Vereins Little Lab — Wissenschaft für Kinder e.V. , der sich dafür einsetzt, dass auch nach 20 Jahren die Begeisterung für Naturwissenschaften, Informatik und Mathe erhalten bleibt.

Zu viel Geld – was tun?!

Ein Ratgeber, den ich neulich gelesen habe, hat behauptet, man soll ja nicht sagen, man ist arm, denn dann ist man das auch und wenn man einmal arm ist, dann bleibt man statis­tisch gesehen auch meistens arm – ein Leben lang. Man könne statt­dessen sagen, man ist vorüber­gehend pleite.  Oder man sagt gleich, man ist reich. 

„Wir sind reich, Tiger, denn wir haben alles was wir brauchen“, möchte ich hier nach Janosch zitieren. 

Unsere Familie ist reich, denn wir haben alles was wir brauchen. Wir sind auch nicht vorüber­gehend pleite. Dennoch bräuchten wir jetzt, sowie alle anderen Familien mit einem Kind mit Angelman Syndrom, eure Unterstützung:

In der letzten Zeit hat die Forschung enorme Fortschritte gemacht – das gibt uns die Hoffnung, dass das Angelman Syndrom, von dem auch unsere Tochter Hela betroffen ist, die erste geistige Behinderung sein wird, dessen Ursache behoben wird! Stellt euch vor, wir könnten dann vielleicht nachts schlafen! Vielleicht könnten wir mit unserer Tochter reden — sie könnte uns erzählen, dass ihr der Zahn weh tut und sie der neue Junge im Kindergarten ärgert! Vielleicht würde sich ihre Motorik so weit verbessern, dass sie aus einem normalen Becher und ganz normal mit Besteck selbst essen könnte, ohne dass wir es jahrelang mühsam üben müssten. Vielleicht müsste sie nicht mehr unter epilep­ti­schen Anfällen leiden. Vielleicht würde sie vergessen, wie es ist, immer wieder mit Blaulicht ins Krankenhaus zu fahren. Und vielleicht würde auch ihr Bruder nie wieder Sätze im Auto sagen müssen, wie: “Ach ja, den Weg kenne ich, den sind wir gefahren, als Hela im Krankenhaus war, weil sie nicht atmen konnte…” Jeder Punkt von dieser Liste — ein Wunder, von dem wir kaum wagen zu träumen! Ein Wunder, der aber mit jedem gespen­deten Euro wahrschein­licher wird! Auch Jürgen Vogel hat dazu ein paar Worte:

https://wachgekuesst.force.com/s/

Mehr Infos, sowie die Möglichkeit die Wachgeküsst-Kampagne zu unterstützen findet ihr hier.

Vielen Dank!!!

Elternbeirat — wie vermeide ich es, gewählt zu werden?

Elternbeiratswahl

Diese und mehr von solchen tollen Zeichnungen findet ihr auf Kura zeichnet.  Auch zu finden hier.

Steht auch bei euch wieder ein Elternabend an? DER Elternabend, an dem der Elternbeirat gewählt wird? Dann ist dieser Beitrag ist für euch…

Ich weiß nicht, wie das bei euch in der Schule war, aber ich bin mit Frontalunterricht groß geworden. Im Frontalunterricht ist nur eine Person durch­gehend anwesend – der Lehrer/die Lehrerin. Die 20 – 30 Schüler sind hingegen nur phasen­weise da. Das heißt, faktisch dürfen sie den Raum nicht verlassen. Nachdem sie das Klassenzimmer betreten haben, wird deren Anwesenheit im Klassenbuch proto­kol­liert, was danach mit ihnen passiert ist pure Magie. Denn hält die Lehrkraft gerade einen Vortrag, betonen die Schüler ihr reges Interesse am Thema durch den passenden Gesichtsausdruck und die entspre­chende Körperhaltung. Sie sind voll und ganz da! 

Wird hingegen eine Frage in den Raum geworfen, verschwinden plötzlich die meisten. Bei uns in der Schule gab es nicht viele Möglichkeiten, sich gut zu tarnen: Man war ja an die Bank gebunden. Doch, die paar Strategien, die man hatte, wurden jahrelang immer weiter perfektioniert. 

Wer möchte den eigenen Aufsatz vorlesen?“, gleich fiel hier und da ein Bleistift oder ein Anspitzer herunter und musste unter der Bank gesucht werden. „Wer weiß, wie die Formel XY lautet?“, da lief wieder hier und da die Nase und musste diskret geputzt werden (die kulti­vierten Schüler drehten sich dazu von der Lehrkraft weg, um ihr den ekelhaften Anblick zu ersparen). „Was hat uns das lyrische Ich in dem Gedicht XY zu sagen?“, da wurden noch die letzten Worte des aktuellen Vortrags mit großem Eifer ins Heft notiert. „Wer möchte freiwillig…?“, bei dem Punkt sind alle Schüler/innen einfach implo­diert – sie waren da aber nach innen gekehrt und so gut wie unsichtbar. 

Das wichtigste Prinzip der Schulcamouflage lautete dabei: sogar der kürzeste Blickkontakt mit der Lehrkraft kann in einer Katastrophe enden. Der Blickkontakt mit der Person vorne muss dringend vermieden werden!

Diese Taktiken wurden von Millionen von Schülern erprobt. Die meisten Schüler von meinem Jahrgang sind schon längst Eltern geworden, die Vorgehensweise bei der Schulcamouflage ist gleich geblieben und wird weiterhin in der Schulbank fließig parktiziert…

In diesem Sinne seid ihr auf die nächste Wahl zum Elternbeirat bestens vorbe­reitet! Viel Spaß bei dem bevor­ste­henden Elternabend. 

Da ich persönlich schwache Nerven habe und die Spannung nach der Frage, wer sich denn bitte melden möge, nicht ertrage, habe ich beschlossen, mich dieses Jahr freiwillig zu melden.