Meer aus Plastik – eine simple DIY- Idee für jedermann / jederfrau

Alle Zeichnungen von Miriola Dzik, mehr davon findet ihr unter Kura zeichnet

Basteln – wir lieben es! Es fördert alles, sogar schon bei den Kleinsten und zum Schluss hat man noch etwas Bleibendes in der Hand, womit man das Regal im Wohnzimmer schmücken kann. Nette Kleinigkeiten wie ein eigen­händig aus Ton angefer­tigter Eierbecher oder eine bunt bemalte Holzgrillzange sind ein Traum aller Eltern. Aber heute ließen mich meine Kinder ausnahms­weise schlafen, heute ist mein Tag, ein Tag an dem ich Berge versetzen kann und deswegen fest daran glaube, dass ausnahmslos JEDE Familie in puncto Basteln mehr kann!

Bitte keine Ausreden wie: „Ich würde sooo gerne mit meinen Kids basteln aber wann denn? Einfach keine Zeit!“. Diese Bastelanleitung macht der ganzen Familie Spaß, spart jede Menge Zeit und schont die strapa­zierten Nerven, weil man sich auf einmal mit belang­losen Kleinigkeiten nicht mehr beschäf­tigen muss!

In diesem Beitrag zeige ich euch, wie man in vielen idioten­si­cheren Schritten ein Meer aus Plastik mühelos basteln kann.

Warum

Jeden Sommer wieder­holen viele Familien ein altbe­kanntes Ritual: sie fahren ans Meer, damit die Eltern am Strand die Hautfarbe vorüber­gehend ändern können, während der Nachwuchs Sandburgen baut und im Wasser planscht. Das haben Familien seit Jahrzehnten so gemacht. Nur heutzutage wollen wir für unsere Kinder mehr. Mehr Herausforderung und mehr Input — damit sie sich schneller und besser entwi­ckeln können und damit sie noch glück­licher werden, als wir es je zuvor waren. Sand und Wasser sind da womöglich nicht mehr das optimale Material, um die Sinne und die frühkind­liche Motorik zu fördern. Plastik ist die Antwort! Sand mit beigemischten kleinen Plastikschnipseln bietet viel mehr haptische Sinnesreize und lässt die Kleinsten den Pinzettengriff perfek­tio­nieren, um nur einen Vorteil zu nennen. Wellen, die nicht nur Wasser anspülen, sondern auch schim­mernde Plastikteile, hören sich nicht nur inter­es­santer an, sondern fühlen sich spannender an und hinter­lassen auch etwas zum Sammeln am Strand – die Muscheln werden ja immer weniger. In diesem Sinne lasst uns anfangen!

Was wir brauchen

Plastik in jeder erdenk­lichen Form, gerne Mikroplastik, das in vielen Kosmetikprodukten auch aus dem Baby-Regal enthalten ist. Verpackung, Plastiktüten, Spielzeug aus Plastik, Einweggeschirr – es ist egal, was ihr nehmt, Hauptsache ihr nehmt viel davon. Oder auch nur wenig aber dafür regel­mäßig.

Anleitung

Es gibt keine konkreten Schritte, die ihr befolgen müsst. Jede Familie  ist frei, ihren eigenen Weg zu finden. Das Beste an meiner Bastelanleitung ist, egal wie ihr es macht – es wird sowieso funktio­nieren. Auch wenn wir alles wie bisher machen, wird in einigen Jahren mehr Plastik als Wasser in unseren Meeren zu finden sein. Allerdings, wenn wir uns nur ein bisschen mehr Mühe geben, wird das viel schneller der Fall sein und wir werden alle den magischen Moment erleben, an dem unsere kleinen Engel an der Ostsee ein Bad in der Luftpolsterfolie und Plastiktüten nehmen können. Man wird dann nicht mehr so viel zum Strand schleppen müssen, denn die meisten Sachen, wie Plastikbesteck oder Plastikspielzeug werden sowieso laufend von den Wellen angespült werden.

Hier einige Vorschläge, was wir alle machen können, damit es schneller geht:

  • Wir machen alles wie bisher, keine depri­mie­renden Gedanken an die Umwelt mehr. „Einfach machen“ ist unser Motto!
  • Beim Einkaufen entscheiden wir uns immer für Produkte aus Plastik oder, wenn nicht anders möglich (z.B. beim Fleisch, Obst oder Gemüse), für Sachen, die in Plastik verpackt sind.
  • Wir schleppen nie wieder Einkaufstüten ZUM Supermarkt! Man trägt ja schließlich auch kein Holz in den Wald. Wir kaufen immer wieder Plastiktüten an der Kasse oder nehmen einfach ganz viele von den kosten­losen Beuteln für Obst und Gemüse und entsorgen sie sofort nach dem Einkauf. Kratzende Jutebeutel – ADE! Heutzutage will man Platz sparen und sich möglichst schnell von unnötigen Sachen trennen.
  • Nie wieder Leitungswasser! In Plastik einge­schweißte 6‑Packs von Plastikflaschen sind immer die bessere Wahl.
  • Beim Spielzeugkauf bevor­zugen wir die Fernost-Ware, die oft schnell kaputt geht. Hervorragend geeignet hierfür ist zum Beispiel das Spielzeug, das den bunten Kinderzeitschriften beilgelegt wird oder die Kleinigkeiten aus den Schokoladeneiern. Die Sachen haben meistens bereits nach dem Auspacken ausge­dient, man kann sie also relativ schnell entsorgen, ohne dass es großartig auf die Tasche fällt.
  • Jeden Morgen Kaffee to go, immer schön inklusive Plastikdeckel und Plastiklöffel. Wer nicht so viel Geld ausgeben will, kauft zumindest einmal im Monat ein Getränk zum Mitnehmen, denn bei mehreren Millionen kaffe­trin­kender Bürgern in Deutschland kommt so auch bei geringer Frequenz eine beacht­liche Menge Plastikmüll zusammen.

Ich könnte hier noch viele weitere Vorschläge häufen aber die Sache ist, ihr kennt sie ja alle sowieso! Also anstatt hier unsere kostbare Zeit mit der Leserei zu vertrödeln, krempeln wir die Ärmel hoch und packen die Sache an, bezie­hungs­weise die Sachen aus.

Plastik – zack – und weg!

Kaffee To Go

Die Familienachterbahn

Der perfekte Morgen: die Tochter hat ausnahms­weise mal durch­ge­schlafen, beide Kinder sind gut drauf, es ist Sonntag also braucht man sich nicht zu beeilen. Wir liegen noch alle im Familienbett. Die Stimmung ist ausge­lassen. Unser Sohn steht auf einmal auf und kommt zurück mit einem Tablett auf dem passende Getränke für alle Anwesenden stehen – inklusive Nuckelflasche und Lätzchen für seine Schwester. Mama fängt an davon zu schwärmen, wie toll das ist…

Emil, sichtbar zufrieden, schenkt Mama einen langen James-Bond-Blick und sagt: ‘Ich könnte damit auch noch jonglieren…‘

Es gibt Momente im Familienalltag, in denen die Stimmung innerhalb einer Sekunde um 180 Grad umschlagen kann – ich nenne sie die Familienachterbahnmomente.

Überqualifiziert

Überqualifizierung fängt schon im Kindergarten an…

Unser Sohn hat von der Kita ein Arbeitsblatt bekommen, auf dem er bunte Zickzacke weiter­führen soll. Nur Arbeitsblätter empfindet er meistens als Zeitverschwendung und Malen nach Vorgaben als einen tiefen Einschnitt in seine künst­le­rische Freiheit. Irgendwie klappt es dann doch, ihn dazu zu bewegen, die Zickzacke zu malen.

Bei dem letzten Zickzack kommt dann bei ihm das Erwachen:
‘Und warum male ich hier immer nur Zickzacke!!!’, schreit er vorwurfsvoll.

Eine Frage, die sich (so oder ähnlich) Tausende von Menschen montag­morgens stellen, nachdem sie den Computer auf Arbeit hochge­fahren haben. Und ein Grund, warum man lieber nach einem Job suchen soll, der einem Spaß macht.

Fasching — nicht mein Ding!

Auch 2019 hat sich diesbe­züglich nichts geändert… Am Mittwoch ist der Kindergarten-Fasching, passend dazu liegt der Sohnemann seit Freitag mit grippigem Fieber im Bett… Helau!

Ein Rückblick über 3 Jahre von Faschingsmisserfolgen

Bevor die Kinder zur Welt gekommen sind, war Karneval eine Option. Ich konnte daran teilnehmen oder auch nicht. Meistens blieb es bei „oder auch nicht“. Seit unser Älterer seine Krippenlaufbahn angetreten ist, gehört Fasching zur Kategorie „Pflichtveranstaltung der beson­deren Art“. Jedes Jahr scheitere ich aufs Neue in puncto Faschingsvorbereitung mehr oder weniger spekta­kulär. Meistens bleibt es bei „mehr“.

Was bei anderen Eltern so ganz mühelos aussieht (lachende Kinder verkleidet als süße Bienchen, kecke Piraten oder perfekt ausge­stattete Feuerwehrmänner UND der leckerste und schönste Kuchen aller Zeiten für den Kita-Fasching gebacken) stellt meine Nerven alljährlich auf eine harte Probe. Bin ich der einzige Fasching-Loser auf diesem Planeten? Vielleicht findet sich unter den LeserInnen noch jemand, der/dem es ähnlich geht… Um mir und vielleicht auch noch anderen Verzweifelten Trost zu spenden, fasse ich hier die Geschichten der letzten 3 Jahren der Karnevalsmissgeschicke zusammen. Habt ihr ähnliche Erfahrungen, nur her damit!

 2016

Der erste Kita-Fasching, den wir als Eltern erleben durften, fand kurz nachdem wir von der Behinderung unserer Tochter erfahren haben, statt. Es war uns nicht nach Karneval zumute. Trotzdem wollte ich nicht, dass unser Sohn als das einzige unver­kleidete Kind in der Krippe aufkreuzt. Nach mehreren Tagen diverser Untersuchungen im Krankenhaus und einigen Tagen der Schockstarre blieb leider nicht mehr viel Zeit übrig, um ein tolles Kostüm zu organi­sieren. Alle Kostüme, die in unserer Gegend erhältlich waren, waren zu groß. Oder auch sündhaft teuer. Zu teuer, wie ich fand, um ein zweijäh­riges Kind für 4 Stunden da rein zu zwängen. Es blieb nichts anderes übrig als zu impro­vi­sieren. In einem Laden des eher günsti­geren Preissegments entschied ich mich für eine Kopfbedeckung, die wie das Cookie-Monster von der Sesam Straße aussah. Dazu wollte ich das Kind farblich passend anziehen und im Gesicht bemalen. Ich habe hautfreund­liche Gesichtsfarben besorgt und mir mehrere Anleitungsvideos zum Gesichtsschminken angeschaut. Der Plan war gut. Alles sah relativ simpel aus. Es hätte eigentlich funktio­nieren müssen.

Das Faschingskostüm fürs nächste Jahr ist bereits fertig:)

Was ist nicht bedacht habe, war, dass das Gesicht zu bemalen, Arbeit am leben­digen Künstlermaterial bedeutet. Das Gesicht von einem 2‑Jährigen zu bemalen, bedeutet Arbeit an einem besonders schwie­rigen leben­digen Künstlermaterial. Deswegen sah es bei uns so aus: Kurz nachdem ich die ersten Striche gesetzt habe, schreit Emil: „Mama, kalt. Ich will nicht“. Die Farbe lässt sich nicht wie im Video ganz leicht mit einer Pinsel auftragen. Einfacher wäre es, sie mit einem Buttermesser aufs Gesicht zu schmieren, das schließe ich aber aus. Das Kind nimmt die Verweigerungsstellung ein und will weder weiter geschminkt noch abgeschminkt werden. Ich muss impro­vi­sieren. Die gelben Striche werden mit Fingern verschmiert und ich schaffe es unbemerkt noch einige gelben Tupfer aufs Gesicht aufzu­tragen. So kriege ich zumindest eine einheit­liche Farbe im Gesicht von Emil hin: Gelb. Ich schaffe es gerade so, ihn noch dazu zu überreden, die Augenbarauen blau anzumalen. Danach sieht das Kind nicht wirklich gesünder aus. Es bleibt aber keine Zeit mehr fürs Nachbessern. Der Cookie-Monster wird auf den Kopf gesetzt und das Kind zur Krippe gebracht. Ich hoffe, es werden keine Fotos gemacht. Ich hoffe, das Kind wird es später nie erfahren und falls doch, dass es mir verzeihen kann.

Fasching 1991. Mama in dem selbst entwor­fenen Teufelkostüm.

2017

Nächstes Jahr bin ich besser vorbe­reitet. Schon Monate vor dem Fasching besorge ich ein profes­sio­nelles Ritterkostüm und ein Schwert. Im Sommer haben wir eine Ritterburg besucht und lesen seitdem immer wieder über Ritterburgen und Ritter.  Aus Alufolie und einem Gürtel bastle ich die richtige Halterung für das Schwert. Dieses Jahr gehört der Fasching uns! Als ich Emil am Vortag der Faschingsparty schlafen lege, reden wir noch darüber, wie spannend es morgen in der Kita sein wird und wie toll sein Kostüm ist. Kurz bevor er die Augen zu macht, dreht er sich noch mal um:

Mama, weißt du, ich will lieber kein Ritter sein. Ich will eine Katze sein – wie Shaun das Schaf.“

Aber Shaun das Schaf ist ein Schaf und keine Katze.“ Emil denkt ein wenig nach…

Aber ich will eine Katze sein, Ritter liebe ich nicht“, sagt er dann entschlossen, dreht sich um und schläft ein.

Nach einer Faschingsparty zuhause.

Am nächsten Tag packen wir das Kostüm in den Rucksack und machen uns auf den Weg zur Kita. An der Tür begrüßt uns ein freudiges, buntes Volk – ein Tiger, ein Pirat, Pocahontas, Pipi Langstrumpf und ein Feuerwehrmann – mit Helm auf dem Kopf und einem Feuerlöscher in der Hand.

Mama, ich will kein Ritter sein. Ich will lieber Feuerwehrmann sein!“. Emil bleibt stur. Keins meiner Worte schafft es, ihn dazu bewegen, sein Kostüm anzuziehen. Er steht da, in der Strumpfhose, die ein Teil der Verkleidung war und will Feuerwehrmann sein. Drum herum tobt alles, singt und tanzt. Eine der Erzieherinnen, als Zebra verkleidet, kommt vorbei.

Kein Problem, wenn du dich nicht verkleiden willst, musst du auch nicht. Komm, wir begleiten die Mama zur Tür und schubsen sie raus.“ Emil weint. Ich weiß, dass es diesmal ernst ist. Ich bin ratlos. Ich habe nun mal kein anderes Kostüm für ihn. Das Zebra schubst mich raus, ehe ich überlegen kann, was ich noch tun kann. Hinter der Tür bleibt ein verheulter Emil, verkleidet in die Strumpfhose. Im Auto muss ich heulen. Ich habe als Kostümdesignerin und als Mutter versagt. Jetzt weiß ich, ich hätte das Kostüm zusammen mit ihm aussuchen sollen. Ich weiß, ich hätte mich nicht raus schubsen sollen. Ich weiß, ich hätte bei ihm bleiben sollen. Der blöde Fasching!

Als ich Emil am Nachmittag abhole, ist der Partyglanz etwas verblasst. Die Prinzessinenkronen hängen verknotet im zerzaustem Haar, der Tiger hat sich ausge­zogen und rennt in einer Jogginghose und T‑Shirt herum – es muss ja auch tierisch heiß gewesen sein in dem Ganzkörper-Tigeranzug. Scheinbar war das bei einigen anderen Verkleidungen auch ein Problem, denn viele Kostüme oder Kostümteile fehlen jetzt. Einige Kinder laufen in der Strumpfhose herum. Nur der Feuerwehrmann ist immer noch in der vollen Montur, mit dem Helm auf dem Kopf und dem Feuerlöscher in der Hand. Ich frage Emil, wie es war.

Das war ganz lustig“, sagt er und strahlt mich an. „Es gab Pfannkuchen. Darf ich nächstes Jahr Feuerwehrmann sein?“

Klar mein Kind, alles was du sein möchtest! Wenn es sein muss, werde ich basteln und nähen. Erziehung ist ein Lernprozess. Nächstes Jahr bin ich bereit!

Hela zähmt die Luftschlangen

2018

Anfang Januar fangen wir an über Fasching zu reden. Glücklicherweise hat man sich in Helas Krippengruppe gegen eine Kostümparty entschieden. So bleibt, wie in den Vorjahren nur die Vorbereitung auf den Fasching in Emils Kita. Wir besprechen mit unserem Sohn, als was er verkleidet sein möchte. Zusammen mit ihm und Papa bestellen wir recht­zeitig sein Wunschkostüm: einen Spiderman. Dann rollt die Grippewelle durch unser Zuhause und Emil ist einige Tage nicht in der Kita. Nach der krank­heits­be­dingter Pause entdecke ich an der Info-Tafel im Kindergarten eine Liste mit den von Kindern erwünschten Leckereien, die die Eltern für die Party vorbe­reiten sollten. Die Liste hängt schon offen­sichtlich seit einigen Tagen, denn es ist nur noch genau eine Position offen: Schokofrüchte. Ich trage mich pflicht­be­wusst ein und überlege, warum sich wohl die anderen Eltern nicht darauf gestürzt haben, so etwas Simples wie Schokofrüchte vorzu­be­reiten? Ich kaufe Früchte und mehrere Tafeln Schokolade, auch in der veganen Variante. Dieses Jahr gehört der Fasching uns!

Am Nachmittag vor der Faschingsparty fange ich mit dem Obst an… Nach relativ kurzer Zeit wird mir klar, warum sich niemand für die Schokofrüchte einge­tragen hat. Alles in der Küche ist bedeckt mit Schokolade – bis auf die Früchte, denn nur darauf will die geschmolzene Masse partout nicht haften bleiben. Ich versuche das Fehlen der Schokolade auf Früchten mit bunten Streuseln zu bedecken.

Schokofrüchte in der Vollmilch- und in der veganen Schokolade

Am Tag der Party wacht Emil mit Fieber auf und meint: „Mama, ich kann nicht in die Kita. Ich habe Bakterien!“. Er bleibt zu Hause. Ich fahre zur Kita ohne Kind, mit einem Teller der wenigen Schokofrüchte, die man als vorzeigbar einstufen konnte. Ich wette aber, dass sie nicht nur bei Eltern der Wickelkinder ganz bestimmte Konnotationen hervor­rufen würden. Ich fahre zur Kita auch, weil heute Punkt um 8:00 das Elterngespräch statt­finden soll. An der Tür begrüßt mich ein freudiges, buntes Volk – ein FBI-Agent, ein Ninja, eine Hexe… Und die Leitern, die mich überrascht ansieht: „Elterngespräch? Den Termin haben wir doch für morgen verab­redet!“.

Fasching ist einfach NICHT MEIN DING!

International Angelman Day 2019

„Zu Ihrem Baby gibt es noch etwas dazu!“, stand auf dem Flyer unserer Krankenkasse, der uns nach der Geburt unserer Tochter ausge­händigt wurde. Was die Krankenkasse meinte, war ein Baby-Schlafsack und noch einige Extras dieser Art. Was nicht im Flyer stand und was niemand zu jenem Zeitpunkt geahnt hat, war das Angelman Syndrom, von dem unsere Hela betroffen ist.

Das Angelman Syndrom ist ein geneti­scher Defekt auf dem 15. Chromosom zu dem ihr mehr Infos hier sowie auf der Website vom Angelman Verein findet. Am 15. Februar findet der International Angelman Day statt– ein Tag, der auf das Syndrom aufmerksam machen soll.

Obwohl mittler­weile fast 3 Jahre seit der Diagnose vergangen sind, fällt es mir immer noch schwer eine Zusammenfassung zu schreiben, wie das Angelman Syndrom unser Leben verändert hat. Es gibt Tage, wo ich denke, dass unser Leben völlig normal ist. Ich zucke immer noch jedes Mal erstaunt zusammen, wenn unsere Tochter als „schwer­be­hindert“ bezeichnet wird – für uns ist sie ein ganz normales Mädchen, nur halt etwas anders als die anderen.

Typisch Angelman: Wasserliebe

Dass wir uns seit der Diagnose verändert haben, stelle ich immer wieder fest. Zum Beispiel, wenn wir einen Wasserschaden und dadurch ein ziemlich unbenutz­bares Badezimmer als ein leicht zu lösendes Problem mittleres Kalibers einstufen. Verglichen mit den epilep­ti­schen Anfällen, unter denen unsere Hela gelitten hat, als der Wasserschaden entstanden ist, schien das ruinierte Badezimmer eine 1+1 ‑Geschichte zu sein: Man wusste genau, was gemacht werden muss. Es gab mehrere Personen, die es machen konnten. Es war doof und lästig aber alles in allem nur eine Frage der Zeit, bis alles wieder behoben ist. Im Fall der Epilepsie ist das anders, denn hier weiß eigentlich niemand, was helfen wird – es gibt keine endgültige Lösung des Problems.

In den letzten drei Jahren haben wir eine andere Perspektive auf das Leben gewonnen: wir haben gelernt Kleinigkeiten klein zu halten. Nicht immer aber meistens. Schwarzen Humor habe ich schon immer sehr geschätzt, jetzt lachen wir oft über Sachen, die uns noch vor einigen Jahren Angst gemacht hätten. Wie neulich, als wir bei einer Kinder-Reha-Ausstellung nach einem neuen Buggy für unsere Tochter gesucht haben. Beim Vorbeilaufen an einem Stand mit Kinderprothesen meinte unser Sohn: „Mama, wenn ich einen Arm verliere, dann möchte ich eine rote Prothese – rot ist meine Lieblingsfarbe. Und wenn ich mein Bein verliere, dann kauf mir eine Prothese mit einem Haken. Dann kann ich gut auf die Eisberge klettern“. Ich fand es eher lustig als makaber. Der Gedanke, dass wir ohne Angelman Syndrom gar keinen Buggy mehr für unsere bald 4‑jährige Tochter bräuchten, ist bei mir im Kopf nicht willkommen.

Und hier findet ihr mehr lesens­werte Blogs und Texte aus dem Leben anderer Angel-Mamas

Aus Deutschland:

https://sharidietz.com/international-angelman-day-15-februar-2019/

Aus der Schweiz:

https://www.juliadellarossa.ch/angelman-verein-schweiz/internationaler-angelman-day/

https://www.stadtlandmama.de/content/interview-mit-melanie-meine-tochter-hat-das-seltene-angelman-syndrom

Aus Österreich:

https://www.angelman.co.at/

Aus Polen:

http://www.naze.pl/index.html

Eine Gruselgeschichte: Unterstützte Kommunikation in der Küche

Mitten in der Nacht wird Mama von seltsamem Krach geweckt. In der Küche wurde scheinbar etwas umgestoßen, jedoch… beide Kinder schlafen, der Papa hat Nachtdienst und ist nicht zuhause. Mama steht auf und schleicht sich mit rasendem Herzen an die Küche ran. Je näher sie der Küche ist, desto klarer ist eine Stimme aus der Küche zu hören: „Essen!“, „Essen!“ wiederholt da eine Frau! „Aber Moment mal, das ist doch MEINE Stimme“, stellt Mama fest und überlegt, ob sie noch träumt oder inzwi­schen verrückt geworden ist.

Da fällt ihr ein, dass Hela seit Neustem einen „Talker“ hat – eine Kommunikationshilfe, bei der man ausge­wählte Bildsymbole besprechen kann. Zum Beispiel nimmt man das Wort „Essen“ auf und verknüpft es mit dem dazu passenden Bild. So kann das Kind ein passendes Symbol drücken und so „sagen“, was es möchte. So stellen wir jetzt mit Hela die ersten Schritte im Bereich Unterstützte Kommunikation.

Die Tomate wollte der Talker auch nicht essen. Bei den Symbolen handelt es sich um die MetaCom-Symbole.

In dieser Nacht stand der Talker in der Küche an die Wand gelehnt und ist aus unerklär­lichen Gründen auf die Obstschale gekippt (angeblich entwi­ckeln einige Objekte ein Eigenleben:). Die Taste „Essen“ wurde dabei betätigt. Und betätigt. Und betätigt. Und betätigt…

Der Talker hat zum Glück das Obst nicht aufge­gessen.

Und heute… Zwiebelsaft: Unser Lifestyle-Getränk

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Zwiebelsaft: unser Lifestyle-Getränk.

Hilft gegen Husten.
Hilft nicht gegen: Trotzphase, generelle Unlust und Weltschmerz.
Dagegen hilft (aller­dings nur den Eltern): starker Kaffee.

In diesem Sinne: möge euer Kaffee stärker als die Trotzphasen und die Infekte eurer Kinder sein!

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