Das Täschchen

Im Leben einer Familie spielen Taschen – vor allem Hosentaschen —  eine wichtige Rolle. Die Mama hält da immer mindestens ein Taschentuch parat, um laufende Nasen in Zaum zu halten oder auch Breikleckse von ihrer Kleidung schnell und unauf­fällig wegzu­wi­schen und weiterhin so tun, als wäre sie überhaupt noch nie mit Brei in Berührung gekommen.

Der Papa hält da seinen Arbeitsschlüsselbund, der für Löcher in den Hosentaschen sorgt, die Aufbewahrung von anderen Gegenständen unmöglich machen.

Unser Sohn… Unser Sohn trägt immer ein ganzes Königreich in seinen Taschen. Locker übertrumpft er jeden noch so gewieften Schmuggler darin, Gegenstände aus der Kita in einem winzigen Hosentäschchen heraus­zu­bringen. Umgekehrt werden auch Gegenstände von Zuhause IN die Kita rein geschmuggelt. Es sind nicht immer wichtige Gegenstände, es können auch (in unseren Augen) unbedeu­tende oder schon kaputte Sachen sein, Hauptsache der Schmuggel läuft. Ein paar Gegenstände gehen mit in die Kita, ein paar Gegenstände kommen aus der Kita zurück — es müssen ja nicht die Gleichen sein.

Die Mama verzichtet auf regel­mäßige Kontrollen an der Haustür. Die Sachen werden meist bei der Wäsche entdeckt. Wenn man Glück hat und die Kontrolle nicht vergessen wurde, entdeckt man die Gegenstände, bevor man die Hose in die Waschmaschine reinge­worfen hat.

Es ist immer wieder ein Abenteuer, die kleinen Gegenstände ans Tageslicht zu befördern. Die Mama denkt da immer über die Symbolik der Sachen nach und fragt sich, warum ausge­rechnet diese Sachen in den Taschen gelandet sind. Steckt da eine Geschichte dahinter? Wenn man ihn danach fragt, kann Emil keine eindeutige Antwort geben. Es sind wichtige Bauteile von einem „Kompalator“ oder Teile von einem Bohrer oder halt wichtige Sachen, die man eben in der Hosentasche haben muss.

Kann man die Gegenstände klar identi­fi­zieren, werden sie am nächsten Tag zurück in die Kita gebracht und zurück­ge­geben. Es ist unbekannt, wie viele Kleinigkeiten, die früher uns gehört haben, in der Kita gelandet sind. Deren Fehlen ist Mama nie aufge­fallen.

Hier eine kleine Übersicht über den Inhalt von Emils Hosentaschen nach einem durch­schnitt­lichen Tag.

Linke Hosentasche:

-ein Magnet

-ein Buntstift

-ein Stück Kreide (aus Emils Besitz)

-ein fluores­zie­render Pandabär (aus Emils Besitz)

 

 

 

Rechte Hosentasche:

-Teile von einem kaputten Mini-Auto

-ein Teil von einem Steckspiel

-ein Irgendetwas unklarer Herkunft

Auch wenn Emil ein begeis­terter Kastanien‑, Stein- und Stocksammler ist, landen diese Sachen nie in seinen Taschen. Die werden immer Mama oder Papa geschenkt, sie dürfen sie dann in ihren Taschen tragen. Auch Hela wird damit reichlich beschenkt und darf sie in ihrem Kinderwagen trans­por­tieren.

Es ist nur folge­richtig, dass Emil Hosen ohne Taschen boykot­tiert. Eine Hose muss ihren Transportzweck erfüllen können – insofern gilt bei uns jede Kinderhose als Funktionskleidung. Die Mama passt beim Kauf einer neuen Hose sehr darauf, dass die Hose mindestens 2 Taschen hat. Dass dieses Problem nicht nur unsere Familie betrifft, zeigt die Geschichte einer von Mamas Cousinen. Als Kindergartenkind musste ihr leider im Krankenhaus eine Tempera-Farbtablette aus der Nase gezogen werden. Meine Cousine hat sie sich eigen­händig so tief in die Nase gesteckt, dass sie erst von einem Arzt mit Spezialwerkzeug wieder heraus befördert werden konnte. Als man die Cousine gefragt hat, warum sie sich die Farbe in die Nase gesteckt hatte, antwortete sie kurzerhand:

Weil mein Rock keine Taschen hat“.

Übrigens hat Mama den Inhalt ihrer Jackentaschen fotogra­fiert, bevor sie diesen Beitrag verfasst hat. Das Ergebnis hat sie nicht überrascht aber etwas nachdenklich gemacht.

Linke Jackentasche:

-eine deutsche und eine polnische Münze

-zwei Haargummis von Hela

-eine Holzperle – Geschenk von Emil

-ein Stein – Geschenk von Emil

-ein Irgendetwas aus Metall, abgefallen von einem Kleidungsstück

-Verpackung, die auf ungesundes Konsumverhalten schließen lässt

-eine bunte Steckklammer, universell einsetzbar

-Schlüsselbund mit origi­nellem und stilvollem Anhänger. Den Anhänger hat Emil für Mama ausge­sucht, nachdem er ihren alten Schlüsselanhänger leider kaputt gemacht hat. Der alte Anhänger bestand aus einem wunder­schönen, blauen Stein aus Brasilien. Immer, wenn Mama sich den alten Anhänger angeschaut hat, dachte sie: „So blau muss Brasiliens Himmel sein“. Jetzt hat sie den neuen Anhänger. Immer, wenn Mama ihn sieht, denkt sie: „So… haarig muss der Po vom Yeti sein?“

Rechte Jackentasche:

-ein Halstuch von Hela

-drei Haargummis von Hela

-eine Quittung

-Traubenzucker, den wir immer in der Apotheke kriegen

-Müll

-ein kleiner Triceratops

-zwei Teile von Irgendetwas aus Metall, abgefallen von einem weiteren Kleidungsstück

Um das Phänomen von Emils Taschen richtig zu verstehen, hat Mama auch den Inhalt von einem Stoffbeutel abgelichtet, der ihr im Moment die Handtasche ersetzt.

Muss man da noch etwas hinzu­fügen?

Und was habt ihr so in euren Taschen?

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